Feldtest bei Etisys

Erste Erfahrungen mit der Durst Tau G3

Thomas Wirkotsch, Etisys-Geschäftsführer (links) und Klaus Sedlmayr, Chromos Deutschland GmbH, vor der Durst Tau G3 (Quelle: Klemens Ehrlitzer)
Thomas Wirkotsch, Etisys-Geschäftsführer (links) und Klaus Sedlmayr, Chromos Deutschland GmbH, vor der Durst Tau G3 (Quelle: Klemens Ehrlitzer)

Klemens Ehrlitzer

Die Etisys Etikettierlösungen GmbH mit Sitz in Roßhaupten im Allgäu hatte mehrere Jahre ein Inkjet-Drucksystem vom Typ Tau E von Durst im Einsatz. Im vergangenen Jahr entschied sich das Unternehmen, das aktuellste Modell des Südtiroler Anbieters, die Durst Tau G3, als Feldtestkunde zu installieren. Welche Erfahrungen Etisys-Geschäftsführer Thomas Wirkotsch seit dem Tausch des bisherigen Modells gegen die neue Generation im September 2025 sammeln konnte, berichtet er im vorliegenden Beitrag.

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Auch wenn das neue Drucksystem bei Etisys technologisch einen deutlichen Entwicklungssprung darstellte, erfolgte die Inbetriebnahme praktisch ohne die obligatorische Anlaufphase. „Die grundlegenden Prozesse waren den Bedienern aus den bisherigen Erfahrungen bereits bekannt, so dass lediglich die neuen Zusatzfunktionen Neuland waren“, erklärt Thomas Wirkotsch. Es genügte eine Intensiv-Schulung bei Durst in Brixen sowie eine Einweisung vor Ort in der Druckerei, um direkt die Produktion von kommerziellen Aufträgen aufzunehmen.

Verarbeitbarkeit als Schlüsselfaktor

Ein Upgrade des Inkjet-Systems stand bei Etisys schon länger im Raum, weil die technologische Weiterentwicklung spürbare Vorteile versprach. Thomas Wirkotsch vermisste jedoch eine zuverlässige Lösung für die Nachbearbeitung. Dieser Aspekt ist für ihn deshalb von zentraler Bedeutung, weil angesichts der Spezialisierung auf industrielle Kennzeichnungs- und Etikettierlösungen der Großteil der ausgelieferten Etiketten bei den Kunden mit unterschiedlichen Druckermodellen weiterverarbeitet wird. In der Vergangenheit zeigten Tests mit den verfügbaren Tinten immer wieder Schwierigkeiten bei der Thermotransferbedruckung oder Heißfolienprägung.

Weil das bisherige Drucksystem seinen Dienst noch zuverlässig erfüllte, wurde die Entscheidung für eine Ersatzinvestition aufgeschoben, bis mit einer neuen Tinten-Generation schließlich eine überzeugende Lösung verfügbar wurde. Seit der Installation der neuen Tau G3 nutzt Etisys die neuen LED-Tinten. Ihre Rezeptur ist BPA- und TPO-frei und erfüllt die einschlägigen gesetzlichen Vorgaben, beispielsweise der sogenannten Swiss Ordinance. Darüber hinaus wurden die Eigenschaften dahin optimiert, die Möglichkeiten der Verarbeitung zu verbessern. „Damit können wir den Kunden eine gute Bedruckbarkeit zusichern“, erklärt Thomas Wirkotsch. „Das setzt lediglich voraus, dass ein von uns empfohlenes Farbband verwendet wird, dessen Eignung wir durch umfangreiche Testreihen ermittelt haben.“ Mehrkosten für das höherpreisige Farbband relativieren sich dadurch, dass der Auftrag eines Lacks entfallen kann, der früher oft die nachträgliche Thermotransferbedruckung ermöglichte.

Direkter Draht zwischen Feldtestkunde und Lieferpartner

„Die Firma Etisys bot sich aus mehreren Gründen als Feldtestkunde an“, erinnert sich Klaus Sedlmayr von der Chromos Deutschland GmbH, die als Vertriebspartner der Firma Durst diesen Feldtest begleitet. Das Service- und Handelsunternehmen aus Augsburg betreut verschiedene Partnerfirmen im Bereich des Etikettendrucks und hat in den vergangenen Jahren immer wieder ähnliche Feldtestprojekte durchgeführt. Im Fall Etisys sprachen zum einen die geografische Nähe zu Augsburg bzw. Brixen und zum zweiten die jahrelang guten Geschäftsbeziehungen für eine Zusammenarbeit in Sachen Feldtest. Beides gute Voraussetzungen, um eine offene Kommunikation zu pflegen, mit der beide Seiten von dem Projekt profitieren können. Das beinhaltet zum Beispiel wöchentliche Online-Meetings, bei denen relevante Themen besprochen und auftauchende Fragen geklärt werden. Der Kontakt läuft dabei direkt über die Entwicklungsabteilung bei Durst und ist auf diese Weise ein wichtiges Puzzleteil für eine praxisnahe Weiterentwicklung.

Der neu gestaltete Bereich des Rollenwechsels bringt eine eklatante Verbesserung in Sachen Ergonomie. Insgesamt ist das neue Modell beim Thema Bedienerfreundlichkeit in eine deutlich höhere Liga aufgestiegen.

Gerade der Austausch über konkrete Erfahrungen im Praxisalltag eröffnet in der Regel großes Potenzial für Verbesserungen. Am Modell Tau G3 erkennt Thomas Wirkotsch einige Neuerungen, die schon länger auf seiner Wunschliste der Optimierungsvorschläge standen. Bei der Entwicklung der neuen Modellreihe ist es Durst nach seiner Einschätzung sehr gut gelungen, sinnvolle Anregungen aus dem Markt aufzugreifen. Als Beispiel führt er den neu gestalteten Bereich des Rollenwechsels an, der für das Bedienpersonal eine eklatante Verbesserung in Sachen Ergonomie bringt. Insgesamt sei das neue Modell beim Thema Bedienerfreundlichkeit in eine deutlich höhere Liga aufgestiegen. „Kein Wunder, dass unsere Bediener ihre Arbeit häufig mit einem breiten Grinsen erledigen“, so der etwas scherzhafte Kommentar von Thomas Wirkotsch.

Neue Zusatzmodule mit spürbarer Wirkung

Die zwei Neuentwicklungen, die Durst mit den Abkürzungen ARC und MEP bezeichnet, sind im Produktionsalltag ebenfalls wertvolle Funktionen. Das integrierte automatische Registerkontrollsystem ARC (Automatic Register Control) kontrolliert und regelt das Register während der Produktion. Das geschieht mithilfe einer speziellen Registermarke (2 mm Platzbedarf) und einer kamerabasierten Überwachung in Echtzeit. Die vollautomatisierte Positionierung und Regelung reduziert Einrichtezeiten sowie Makulatur und sorgt für registerhaltige Ergebnisse, auch bei dehnungsempfindlichen Materialien.

Anwender von Inkjet-Drucksystemen kennen die Gefahr, die vom Aufstellen der Bahnkanten für die Druckköpfe ausgehen können. Der neu entwickelte Materialkanten-Schutz MEP (Material Edge Protection) ist aus Sicht von Thomas Wirkotsch deshalb eine außerordentlich gute Lösung, um Schäden wirkungsvoll zu verhindern. Das vollautomatische System zum Niederhalten der Materialkanten besteht aus einer neu gestalteten Druckebene, in die automatische Protektoren und Sensoren integriert sind. Sie sorgen dafür, dass die Materialbahn unter den Druckköpfen plan durchläuft und so die empfindlichen Komponenten geschützt werden.

Der neu entwickelte Materialkanten-Schutz ist aus Sicht von Wirkotsch eine gute Lösung, um Schäden beim Aufstellen der Bahnkanten für die Druckköpfe wirkungsvoll zu verhindern.

Fortschritte bei Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit

Auch die im Vergleich zur Vorgängergeneration höhere Produktivität ist für Thomas Wirkotsch ein großer Pluspunkt. Lag das Maximum mit Weißdruck vorher bei 36 m/min, erreicht die Tau G3 Core in Roßhaupten inzwischen 61 m/min. Mit dieser Leistung nähert sich der Inkjet-Druck dem konventionellen Flexodruck weiter an. Für Etisys ergeben sich daraus Spielräume, einen wachsenden Teil der Aufträge alternativ kalkulieren zu können. Durch die Preisgestaltung der aktuellen Durst-Tinten und durch den Wegfall der Vorbehandlung wie Primer-Auftrag o.ä. (mit sehr wenigen Ausnahmen bei Materialien mit sehr rauer Oberfläche) reduzieren sich die Fertigungskosten so weit, dass Etiketten günstiger produziert werden können.

Aufgrund der breit gestreuten Kundenbasis bleibt die Nutzung beider Säulen – konventionelle und digitale Druckverfahren – für die Allgäuer Etikettendruckerei auf absehbare Zeit alternativlos. Mit Inkjet- und Flexodruck kann Etisys stets das Verfahren einsetzen, das für die jeweilige Anwendung am besten geeignet ist. Die Anforderungen sind dabei vielfältig, weil das Unternehmen Kunden aus vielen Branchensegmenten bedient. Das reicht vom Gartenbau über Kosmetik oder Metallbaufirmen bis hin zu Unternehmen aus der Chemie- oder Kunststoffindustrie. Dass kein Segment einen Umsatzanteil aufweist, der die Gefahr einer Abhängigkeit bedeuten würde, sowie die breite Streuung sind für Thomas Wirkotsch grundsätzlich ein Vorteil, der sich in der Vergangenheit bereits bewährt hat.

Flexibel auf den Markt reagieren

Das kontinuierliche Wachstum, das Etisys seit seiner Gründung erfahren hat, erschien in der Vergangenheit meist vorhersehbar. Seit der Corona-Zeit erlebt Thomas Wirkotsch Marktbedingungen mit immer schnelleren Veränderungen. Angesichts wachsender Herausforderungen wie volatiler Rohstoffpreise und zunehmend unsicherer Lieferketten besteht seine Zielsetzung darin, die Flexibilität seines Unternehmens so zu erhöhen, dass in Zukunft auch auf unvorhersehbare Ereignisse eine adäquate Reaktion möglich ist.

Komplette Lösungen rund ums Etikettieren:
Die Etisys Etikettierlösungen GmbH

Firmensitz der Etisys Etikettierlösungen GmbH in Roßhaupten (Quelle: Etisys)
Firmensitz der Etisys Etikettierlösungen GmbH in Roßhaupten (Quelle: Etisys)

Im Jahr 1994 gründet Werner Wirkotsch mit zwei weiteren Gesellschaftern die Etisys Etikettierlösungen GmbH, nachdem er zuvor mehrere Jahre in einem ähnlich gelagerten Unternehmen der Branche tätig war. Zu Beginn ist es ein reiner Handelsbetrieb ohne eigene Fertigung. Die Geschäfte entwickeln sich gut, sodass Werner Wirkotsch einige Jahre später die Räumlichkeiten einer alten Schreinerei übernimmt. Den gewonnenen Platz nutzt das Unternehmen, um die ersten Maschinen anzuschaffen und in die eigene Produktion von Blankoetiketten einzusteigen. Zu dieser Zeit tritt auch Sohn Thomas Wirkotsch in die Firma ein. Nach fünf Jahre anhaltendem Wachstum ist der Platzmangel erneut so groß, dass in Roßhaupten 2002 ein neues Gebäude bezogen wird. Bereits nach zwei Jahren wird auch dieser Gebäudekomplex erheblich erweitert. Heute steht am Sitz des Unternehmens, das inzwischen 30 Beschäftigte zählt, außerdem auch ein umfangreiches Materiallager zur Verfügung.

Bei der Anschaffung einer Etikettendruckmaschine gibt es während der Drupa 2004 den ersten Kontakt zur Chromos GmbH. In den Folgejahren baut Etisys die Etikettenproduktion schrittweise zu einem wichtigen Standbein aus. In den letzten Jahren hat das Unternehmen regelmäßig in seinen Maschinenpark investiert. Aktuell sind zwei moderne Flexodruckmaschinen sowie drei Anlagen zur Produktion von Blankoetiketten im Einsatz. Im Digitaldruck wurde im September 2025 mit der Tau G3 Core die neueste Generation für den Inkjet-Labeldruck aus dem Haus Durst in Betrieb genommen. Abgerundet wird der Fertigungsbereich durch die entsprechenden Weiterverarbeitungsmaschinen. Das Produktspektrum reicht von Blankoetiketten bis hin zu hochwertigen Etiketten in Klein- und Großauflagen.

Bei der Vertriebsorganisation ist Etisys eine der wenigen Firmen dieser Art im deutschen Markt, die konsequent auf Direktvertrieb und Präsenz auf Fachmessen setzt. Während viele Unternehmen aus Kostengründen zunehmend mit Online-Shops agieren, verfolgt Etisys den Ansatz der persönlichen Beratung. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass der Dialog mit dem Kunden eindeutige Vorteile bietet, wenn es um das komplexe Zusammenspiel verschiedener Komponenten geht.

Klemens Ehrlitzer ist seit 1984 als Fachjournalist in der Druck- und Verpackungsindustrie tätig und war 20 Jahre lang für Etiketten-Labels zuständig. Parallel war er von 2008 bis 2025 Geschäftsführer des VskE. Aktuell konzentriert er sich mit seinem Redaktionsbüro Flexible Kommunikation auf die journalistische Arbeit.