Variabler Datendruck

Amazon Transparency: So wird das Markenschutzprogramm Teil des Workflows

Die Artwork-Management-Software Artflow kann Amazon-Transparency-Codes bereits während der Briefingphase automatisch abrufen und in Artwork-Proofs einbetten (Quelle: Hybrid Software)
Die Artwork-Management-Software Artflow kann Amazon-Transparency-Codes bereits während der Briefingphase automatisch abrufen und in Artwork-Proofs einbetten (Quelle: Hybrid Software)

Mit dem Beitritt zum Transparency Service Provider Network bindet Hybrid Software Amazon Transparency in bestehende Workflows ein. Etiketten- und Verpackungsdruckereien sollen die individuellen Codes dadurch sicher in ihre Druckproduktion integrieren können – auch mit Blick auf weitere Serialisierungs- und Authentifizierungsanwendungen.

Carolin Wacker

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Mit Amazon Transparency will der weltweit größte Onlineversandhändler Amazon Markenprodukte entlang der Lieferkette eindeutig identifizierbar und überprüfbar machen. Für teilnehmende Produkte wird jede Einheit mit einer individuellen Kennung versehen. Bei von Amazon ausgegebenen Codes können Verbraucher die Kennung mit der Amazon Shopping App oder der Transparency App scannen und die Authentizität des Produkts prüfen. Nach aktuellen Angaben von Amazon wurden über das Transparency-Programm bislang mehr als 2,7 Milliarden Produkteinheiten als echt verifiziert. Seit dem Start 2017 haben sich weltweit mehr als 90.000 Marken für das Programm registriert.

Für Hybrid Software passt die neue Anbindung an das Amazon Transparency Programm in eine breitere Entwicklung. „Wir beobachten eine wachsende Nachfrage nach einer sicheren Produktidentifikation“, sagt Igor Vandromme, Vice President/General Manager von Hybrid Software Brandz. Dafür sei nicht eine einzelne Initiative verantwortlich. „Markeninhaber wollen ihre Produkte besser vor Fälschungen schützen, gesetzliche Vorgaben stellen höhere Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit und die Branche bereitet sich auf die breitere Einführung von 2D-Codes nach GS1-Standards vor.“

Über das Transparency-Programm wurden bislang mehr als 2,7 Milliarden Produkteinheiten als echt verifiziert. Seit 2017 haben sich weltweit mehr als 90.000 Marken registriert.

Vorhandene Software als Grundlage

Hybrid Software verfügte bereits vor dem Beitritt zum Service Provider Network über Technologien für Serialisierung und variablen Datendruck. Der Schritt zu Amazon bedeutete deshalb nach Darstellung des Unternehmens nicht den Einstieg in ein grundsätzlich neues Arbeitsgebiet. „Der Beitritt gibt den Kunden die Sicherheit, dass unsere Lösungen mit den Anforderungen von Amazon kompatibel sind. Gleichzeitig können sie Amazon Transparency in die bereits bestehenden Produktionsworkflows integrieren“, erklärt Vandromme.

Markeninhaber und ihre Produktionspartner sollen für die Authentifizierung keinen parallelen, weitgehend manuellen Prozess aufbauen müssen. „Kunden erwarten zunehmend Workflow-Lösungen, die solche Anforderungen unterstützen, ohne die Verwaltung von Verpackungsdesigns oder die Druckproduktion unnötig zu verkomplizieren“, sagt Vandromme.

Hybrid Software arbeitet über Hybrid Software Brandz bereits direkt mit Markeninhabern, Konsumgüterunternehmen und Handelsunternehmen zusammen. „Amazon Transparency ergänzt diese Strategie, da die Anforderungen an Authentifizierung und Serialisierung in der Regel vom Markeninhaber ausgehen und anschließend entlang der gesamten Verpackungslieferkette umgesetzt werden müssen“, erläutert Vandromme. Gleichzeitig bleibe die Zusammenarbeit mit Verpackungsherstellern, Repro- und Druckvorstufenbetrieben sowie Druckereien wesentlich.

Vom Codeabruf bis zur Druckproduktion

Als Mitglied des Amazon Transparency Service Provider Networks integriert Hybrid Software die variablen Daten in bestehende Produktionsabläufe. Die Codes müssen abgerufen, sicher verwaltet und dem jeweiligen Produkt oder Produktionsauftrag zugeordnet werden. Anschließend werden sie in die Druckvorlage eingebunden und als variable Informationen im Druck verarbeitet.

„Unsere Aufgabe besteht darin, Amazon Transparency in bestehende Workflows der Verpackungsproduktion zu integrieren“, fasst Vandromme zusammen. „Dazu gehören das Abrufen der Transparency-Codes, ihre sichere Verwaltung innerhalb des Workflows, ihre bedarfsgerechte Einbindung in die Druckvorlagen, die Erzeugung druckfertiger Produktionsdaten sowie die zuverlässige Verarbeitung der variablen Daten während des gesamten Produktionsprozesses“.

Die Artwork-Management-Software Artflow kann Amazon-Transparency-Codes bereits während der Briefingphase automatisch abrufen und in Artwork-Proofs einbetten. Das browserbasierte System unterstützt Markeninhaber, Handelsunternehmen und Designagenturen bei Artwork- und Freigabeprozessen. In der nachgelagerten Produktionsstufe übernehmen der PDF-Editor Packz und die Workflow-Software Cloudflow Aufgaben für variablen Datendruck und Serialisierung. Darüber lassen sich Barcode-Erzeugung und Druckproduktionsprozesse in bestehende Umgebungen für Verpackungen und Etiketten integrieren. Ziel ist, Amazon Transparency als regulären Bestandteil des Produktionsworkflows abzubilden und nicht als separaten, manuell auszuführenden Prozess.

Ziel ist, Amazon Transparency als regulären Bestandteil des Produktionsworkflows abzubilden.

Druckereien setzen die Serialisierung um

Für Etiketten- und Verpackungsdruckereien liegt hier ein wesentlicher Teil der praktischen Aufgabe. Sie müssen sicherstellen, dass jede vorgesehene Verpackung oder jedes Etikett mit der jeweils richtigen individuellen Kennung versehen wird. Damit steigen die Anforderungen nicht nur an den variablen Datendruck. Auch automatisierte Datenübergaben und Kontrollmechanismen gewinnen an Bedeutung. Bei serialisierten Produkten genügt es nicht, dass ein Barcode technisch lesbar ist. Die Kennung muss zugleich korrekt dem vorgesehenen Produkt zugeordnet sein.

„Mit der steigenden Nachfrage nach Produktauthentifizierung und Rückverfolgbarkeit werden Druckereien zu wichtigen Partnern der Markeninhaber“, sagt Vandromme. Hybrid Software sieht darin eine Weiterentwicklung bestehender Aufgaben und kein vollkommen neues Geschäftsmodell. „Unser vorrangiges Ziel besteht darin, bestehende Kunden bei der Bewältigung veränderter Marktanforderungen zu unterstützen. Es geht weniger darum, ein vollkommen neues Geschäftsmodell zu etablieren“, erklärt Vandromme.

Funktionen reichen über Amazon hinaus

Nicht alle Bestandteile dieses Workflows sind spezifisch für Amazon. Direkt an das Transparency-Programm gekoppelt sind vor allem Abruf, Verwaltung und Anwendung der Codes. Viele technische Schritte davor und danach werden ebenso bei anderen Formen der Serialisierung benötigt. Dazu gehören nach Angaben von Hybrid Software die Aufbereitung von Druckvorlagen, das Management variabler Daten, Barcode-Erzeugung, Proofing, Produktionsautomatisierung und Qualitätskontrolle. Diese Funktionen sind auch für andere Authentifizierungsprogramme und für GS1-2D-Codes relevant. „Unser Ansatz besteht darin, flexible Workflow-Funktionen zu entwickeln, die unterschiedliche Anwendungen unterstützen und nicht auf ein einzelnes Programm beschränkt sind“, sagt Vandromme.

Auch Amazon ermöglicht inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen, bereits vorhandene Seriennummern mit Amazon Transparency zu verbinden. Marken müssen dann nicht zwingend einen zusätzlichen Amazon-Code auf ihre Verpackungen aufbringen. Die Überprüfung durch Verbraucher über die Amazon- beziehungsweise Transparency-App ist laut Amazon derzeit jedoch an von Amazon ausgegebene Transparency-Codes gebunden.

Offen für weitere Systeme

Für Hybrid Software soll die Zusammenarbeit mit Amazon nicht zu einer Abhängigkeit von einer einzelnen Plattform führen. „Offenheit ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie“, betont Vandromme. Kunden arbeiteten nur selten innerhalb eines einzigen geschlossenen Ökosystems. Die Workflow-Lösungen seien deshalb darauf ausgelegt, unterschiedliche Produktionsumgebungen und Industriestandards zu unterstützen. Auch weitere Kooperationen schließt Hybrid Software daher nicht aus. Das Unternehmen prüfe Partnerschaften, wenn Schnittstellen die Implementierung vereinfachen oder die Interoperabilität verbessern könnten.

Die Bedeutung der Amazon-Anbindung liegt damit auch in der Frage, wie Authentifizierungsprogramme künftig in Verpackungsworkflows eingebunden werden. Amazon bringt mit Transparency eine weit verbreitete Anwendung ein. Hybrid Software positioniert sich an der Schnittstelle zwischen den Anforderungen von Amazon und Markeninhabern und deren technischer Umsetzung in Artwork, Druckvorstufe und Produktion. „Unser Ziel ist es, Lösungen bereitzustellen, die sich an veränderte Marktanforderungen anpassen lassen“, sagt Vandromme. Für Etiketten- und Verpackungsdruckereien wird damit nicht nur die Zahl variabler Codes wichtiger, sondern auch der Workflow, der sicherstellen muss, dass die richtige Kennung auf dem richtigen Produkt entsteht.