Staats feiert 200-jähriges Jubiläum mit Millionen-Investition

Rainer und Gabriele Staats, Geschäftsführer der Graphischen Betriebe Staats (Quelle: Graphische Betriebe Staats)
Rainer und Gabriele Staats, Geschäftsführer der Graphischen Betriebe Staats (Quelle: Graphische Betriebe Staats)

Seit 1826 hat sich die Druckerei aus Lippstadt in Nordrhein-Westfalen zu einem namhaften Anbieter für Rollenhaftetiketten etabliert. Zum 200-jährigen Bestehen investiert das Familienunternehmen in Umbaumaßnahmen sowie in drei Maschinen für Digitaldruck und Weiterverarbeitung. Zu diesem Anlass war Etiketten-Labels vor Ort. Die Geschäftsführer Gabriele und Rainer Staats erzählen, wie der ehemalige Buchdruckbetrieb zum spezialisierten Etikettenhersteller geworden ist.

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Carolin Wacker

Wer das Souterrain der Graphischen Betriebe Staats betritt, trifft noch auf Maschinen aus den 1960er Jahren: Hier stehen alte Heidelberger Tiegel und Zylinder, die noch immer im Betrieb sind. Früher waren die Maschinen auf dem Werksgelände verteilt, heute bilden sie einen eigenen Bereich – Gabriele und Rainer Staats nennen ihn ihre „Manufaktur”. Eine Etage höher ist das andere Ende der Firmengeschichte zu sehen: zwei HP-Indigo-Digitaldruckmaschinen und sechs moderne Anlagen für Finishing und Weiterverarbeitung. Mit der Kombination aus alter und neuer Technik produziert Staats Produkte, die in kein Schema passen. Das Spektrum reicht von hochveredelten Etiketten über Funktions-, Multilayer- und Rückseitenetiketten bis zu Kleinauflagen mit Heißfolie, Relieflack, Siebdruck oder filigranen Laserkonturen.

In der „Manufaktur“ kommen alte Maschinen, teils aus den 1960er Jahren, heute noch immer zum Einsatz
In der „Manufaktur“ kommen alte Maschinen, teils aus den 1960er Jahren, heute noch immer zum Einsatz

200 Jahre sind keine Selbstverständlichkeit

Staats blick auf eine lange Tradition zurück. Die Geschichte der Druckerei reicht über mehrere Inhaber bis in das 18. Jahrhundert zurück. Christian Friedrich Lange hatte das Unternehmen als Verlag und Druckerei geführt. Nach seinem Tod heiratete Heinrich Staats am 27. Juli 1826 dessen Witwe und übernahm die Firma, in der er bereits gelernt hatte. Seither ist der Name Staats mit dem Unternehmen verbunden. Auf Heinrich Staats folgten sechs Generationen, die den handwerklich geprägten Betrieb modernisierten. Eine 200-jährige Firmengeschichte ist keine Selbstverständlichkeit. Wie viel Willenskraft erforderlich war, lässt sich in Tagebuchaufzeichnungen der Familie nachlesen. „Der Krieg war ausgebrochen. Die Welt brannte“, steht dort, geschrieben von Hermann Staats, der die Firma zu dieser Zeit führte. „Lippstadt war vom Zweiten Weltkrieg zwar relativ ausgenommen“, erzählt Gabriele Staats. „Allerdings wurden unsere
Leute eingezogen, sodass die Firma von unserer Großmutter weitergeführt wurde. Außerdem berichten die Tagebücher über rationiertes Papier und Bezugsscheine sowie über die Sorge um die Mitarbeiter an der Front.“

In der Nachkriegszeit hat sich vieles im Unternehmen getan, beispielsweise der Übergang vom Steindruck zu schnelllaufenden Offsetmaschinen. In den 50er Jahren übernahmen Hermann Staats‘ Söhne Hermann und Helmut den Betrieb in fünfter Generation. Sie zogen den Betrieb um und vergrößerten damit die Produktionsfläche. Außerdem modernisierten sie die Arbeitsweise mit Computer- und Datentechnik. Der Aufbau des Etikettengeschäfts war eine wesentliche Maßnahme seit den frühen 70er Jahren. 2004 hat die sechste Generation, Gabriele und Rainer Staats, die Führung übernommen.h

Hermann Staats, Geschäfts- führer in der vierten Generation, berichtet in Tagebüchern über die Herausforderungen während des Zweiten Weltkriegs
Hermann Staats, Geschäftsführer in der vierten Generation, berichtet in Tagebüchern über die Herausforderungen während des Zweiten Weltkriegs

Der Einstieg in das Geschäft mit Rollenhaftetiketten

Die Druckerei Staats etablierte sich in vielen Bereichen der graphischen Industrie: zuerst mit Katalogen, Prospekten und Geschäftsausstattung, später auch im Verpackungs- und Bogenetikettendruck sowie in speziellen Nischen. „Wenn der Kunde etwas braucht, machen wir das möglich“, so erklärt Gabriele Staats
die breite Aufstellung des Unternehmens. Auf diese Weise begann auch das Geschäft mit den Rollenhaftetiketten, mit dem heute gut 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden. Der Anstoß kam wahrscheinlich von einem einzelnen Kunden aus der Automobilindustrie, Mitte der 1970er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt fertigte Staats bereits Nassleimetiketten auf Bogen. Der Kunde fragte nach Etiketten auf Rolle, um sie automatisch spenden zu können. „Unser Vater hat daraufhin schnell die erste Rollenhaftetikettenanlage gekauft“, erklärt Gabriele Staats. „Das zeigt, wie nah wir am Kunden sind.“

Auch die Veredelungsmöglichkeiten im Etikettenbereich sind auf diese Weise gewachsen und mittlerweile zum Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens geworden. „Ein Spirituosenhersteller hat damals nach Heißfolienprägung, Bronzierung und Blindpräge-Elementen auf Rollenetiketten gefragt. Und damit kamen die ersten mehrfarbigen Buchdruckmaschinen aus Dänemark bei uns an“, so Rainer Staats. „In Deutschland gab es damals noch wenige solcher Anlagen.“ Mit dieser Investitionsbereitschaft etablierte Staats die Rollenhaftetikettenproduktion bereits in den 80er Jahren. „Die Generation vor uns hat das Geschäft früh erkannt und aus vielen Erfahrungen und Versuchen gelernt“, erklärt Gabriele Staats. „Wir haben uns dadurch früh einen Namen in der Branche erarbeitet und konnten mit den Kunden wachsen.“ Bereits vor der Jahrtausendwende war klar, dass dieser Geschäftsbereich weiterentwickelt werden soll.

Aus den frühen Kundengruppen entwickelten sich zwei Schwerpunkte im Etikettengeschäft: Zum einen Funktionsetiketten mit teilweise hohem Grad an Entwicklungsarbeit, zum anderen hochveredelte, durchdachte Premiumetiketten für anspruchsvolle Segmente. Entsprechend breit ist das Portfolio heute aufgestellt: von klebefreien Zonen, Sonderstanzungen, Deckweißflächen und variablen Codes über Schutzlacke und Laminate bis hin zu Heißfolien, Relief- und Spotlacken, Prägungen oder Lasercut-Konturen. Auch mehrlagige Etiketten und Rückseitendrucke mit besonderen Effekten sind möglich. Eine interne Grafikabteilung vervollständigt den Service.

„Eine Investitionsentscheidung muss nicht immer mit Zahlen hinterlegt sein“

Dass das Investieren zum Selbstverständnis des Familienunternehmens gehört, zeigt auch der Einstieg in den Digitaldruck. Die Geschäftsführung beobachtete den digitalen Etikettendruck und kaufte 2011 eine erste gebrauchte HP Indigo. Feine negative Schriften, Linien und Weißdruck auf Silberfolie ließen sich präziser umsetzen, Farbkorrekturen erforderten weder neue Klischees noch neue Offsetplatten. Bereits kurz nach dem Kauf bot ABG Gabriele und Rainer Staats bei einer Veranstaltung in Berlin eine passende Anlage zum Stanzen, Lackieren und Heißfolienprägen an. Obwohl das Budget bereits belastet war, wurde weiter investiert, um die neue Drucktechnik weiter auszubauen. „Unser Vater hat immer gesagt, ein Unternehmen muss investieren, um den wirtschaftlichen Vorsprung durch einen modernen und hochwertigen Maschinenpark zu nutzen“, erzählt Gabriele Staats. „Und dieser Gedanke ist natürlich gepaart mit Risikobereitschaft, Mut, Weitsicht – und ja, auch mit Glück. Wichtig war und ist die Begeisterung für neue Technologien, und diese ins Team und nach außen zu tragen. Unsere aktuelle Investition ist ein Paradebeispiel für diese Unternehmensphilosophie.“

In den Konzern und zurück zur Eigenständigkeit

Bis heute bedient Staats vor allem mittelständische Kunden. „Unser Steckenpferd waren nie große Mengen wie bei einigen anderen Druckereien“, ergänzt Rainer Staats. „Wir möchten den Mittelstand betreuen, der einen hohen Grad an Veredelungen wünscht.“ Diese Ausrichtung führte 2013 zur Kooperation mit der RAKO-Gruppe, aus der später All4Labels hervorging. Der Verbund habe für solche Aufträge ein „Schnellboot” gesucht. Mit der Konzernorganisation seien jedoch die Berichtspflichten und zentralen Vorgaben gewachsen. Als ein vollständiger Verkauf an Rako zur Debatte stand, entschied sich die Familie dagegen. „Mit der Minderbeteiligung waren wir nicht mehr ,steuerbar‘, und ein vollständiger Verkauf an All4Labels stand nicht zur Debatte“, erklärt Rainer Staats. 2022 kauften sich die Geschäftsführer nach rund einem Jahrzehnt aus der Kooperation heraus – Staats wurde wieder eigenständig. Rückblickend bereut Rainer Staats diese Entwicklung nicht. „Der richtige Schritt war damals der Weg in die Gruppe”, sagt er. „Der richtige Schritt war aber auch, wieder eigenständig zu werden.” Nur so habe das Familienunternehmen auch die Möglichkeit gehabt, seine Unternehmensphilosophie weiterzuführen und Investitionen zu tätigen.

Umbau als erste Maßnahme der Jubiläumsinvestition

Dort stehen nun die etwa 600 Materialien zur Verfügung, von Standardpapieren und Folien bis zu Varianten mit Gras-, Zuckerrohr-, Holz- oder Recyclinganteilen. Durch den Umzug der gelagerten Materialien konnte Platz für die kürzlich installierten Anlagen gewonnen werden. Heute umfasst der Standort rund 2.500 Quadratmeter Büro- und Produktionsfläche. Vor dem Umbau war die Etikettenproduktion auf beide Ebenen verteilt, nun liegt sie weitgehend auf einer Ebene. Das vereinfacht die Prozesse deutlich. Maschinen für Bogenoffset und handwerkliche Weiterverarbeitung zogen um in das Souterrain, die eingangs beschriebene „Manufaktur“.

Drei neue Anlagen erweitern die technischen Möglichkeiten

Kern der jüngsten Investition sind drei Anlagen, die auf die Produktion aufwendig veredelter Etiketten in kleinen bis mittleren Auflagen ausgelegt sind. Individuell, personalisiert und besonders sollen die Produkte sein, erklärt Gabriele Staats. Der Gewinn bei den Druck&Medien Awards 2025 unterstreicht, dass Staats damit den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Die neu installierte HP Indigo 6K+ (Quelle: Carolin Wacker)
Die neu installierte HP Indigo 6K+ (Quelle: Carolin Wacker)

• HP Indigo 6K+

Die erste der drei neuen Anlagen ist eine HP Indigo 6K+, die im Dezember 2025 eine ältere Digitaldruckmaschine des selben Herstellers ersetzte. Damit sind bei Staats aktuell zwei HP-Indigo-Systeme im Betrieb und können Aufträge untereinander übernehmen. Ausschlaggebend für die neue Maschine seien unter anderem Passergenauigkeit, Farbkonstanz, kurze Rüstzeiten und kalkulierbare Wartung gewesen. Die HP Indigo 6K+ ist eine Weiterentwicklung der HP Indigo 6K und wurde insbesondere im Bereich Automatisierung und Bedienerführung erweitert. Herzstück ist das neue SmartControlSystem, das eine intelligentere Steuerung der Produktion ermöglicht und Routineprozesse deutlich vereinfacht. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören erweiterte Automatisierungsoptionen, ein neues Bedienfeld mit Doppel-Touchscreens sowie zusätzliche Inline-Inspektionsfunktionen für ein optimiertes Qualitätsmanagement. Die Maschinenführer bei Staats zeigen sich überzeugt. „Sie läuft einfach absolut zuverlässig. Mit dem neuen SmartControlSystem ist sie jetzt auch noch einfacher zu bedienen“, bestätigt Rainer Staats.

Die neue angeschaffte Weiterverarbeitungsanlage von Cartes (Quelle: Carolin Wacker)
Die neue angeschaffte Weiterverarbeitungsanlage von Cartes (Quelle: Carolin Wacker)

 

• Cartes

Anfang 2026 wurde eine Cartes-Anlage des Typs GT360 installiert. Ein wesentliches Merkmal der Plattform ist ihre Modularität. Diese ermöglicht in der aktuellen Konfiguration die Inline-Integration verschiedener Verfahren, darunter Siebdruck (JDS), Heißfolienprägung, Flexodruck und -lackierung, Laminierung sowie semi-rotatives Stanzen. Zusätzlich sind Funktionen wie Label-On-Label und mehrstufige digitale Veredelung realisierbar, beispielsweise für Spotlacke, Hochaufbau-Effekte, Braille, Folienapplikationen und 3D-Cast-and-Cure-Effekte. Speziell das digitale Siebdruckwerk macht kleine Losgrößen wirtschaftlicher. „Insbesondere die hohe Aufbauhöhe der Veredelungen führt zu einer stärkeren visuellen Wirkung und einer höheren Wertanmutung der Etiketten, die wir zuvor nicht erreicht haben“, so Gabriele Staats. „Diese Kombination könnte unsere Lösungen differenzieren und Wettbewerbsvorteile schaffen.“

Die Anlage von Link Label ist 16 Meter lang (Quelle: Carolin Wacker)
Die Anlage von Link Label ist 16 Meter lang (Quelle: Carolin Wacker)

• Link Label

Die dritte Investition ist mit 16 Metern die bisher längste Anlage im Betrieb. Es handelt sich um eine analoge Druck- und Finishingmaschine des taiwanesischen Herstellers Link Label, bezogen über Grafische Systeme. Sie ersetzt eine lange genutzte Vorgängermaschine desselben Herstellers. „Das ist schon die dritte Maschine, die wir von Link kaufen. Bereits unser Vater hat eng mit diesem Hersteller zusammengearbeitet. Link liefert vernünftigen Maschinenbau, die Vorgängermodelle sind hier 14 Jahre gut gelaufen und es gibt einen verlässlichen Service in Deutschland“, erklärt Rainer Staats. Die Anlage druckt mit einer Bahnbreite von 333 mm. Sie verfügt über eine Abwicklung für 700 mm Rollendurchmesser und eine Registersteuerung für Mehrfachdurchlauf oder vorbedruckte Rollen. Die Anlage zählt insgesamt fünf semirotative Buchdruckwerke, davon zwei für Rückseitendruck mit Delaminier-Option. Auch ein Flexolackierwerk und ein semirotatives Stanzwerk sind integriert. Alle Druckwerke sind mit UV-Trocknung ausgestattet. Darauf folgt eine Abwicklung mit Längsschneider, Gitteraufwicklung, halbautomatischem Turret sowie einer Aufwickelwelle für Großrollen.

Geplant ist auch schon die nächste Investitionsmaßnahme: die Automatisierung der Prozesse. Daten aus Kalkulation, Auftrag, Produktion und Versand sollen durchgängiger genutzt und wiederkehrende Eingaben vermieden werden. Parallel beschäftigen Material- und Umweltfragen das Unternehmen. Staats stellt nach eigenen Angaben HP-Farben mit Blick auf die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) um, prüft Wasch- und Schmiermittel und versucht, Anfahrmakulatur meterweise zu reduzieren.

Große Jubiläumsfeier

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums und der umfangreichen Investitionen hat Graphische Betriebe Staats ein großes Fest mit rund 300 Gästen gefeiert. Besonders beeindruckend fanden die Besucher die Besichtigung des Betriebes, die neuen Maschinen, die vielseitigen Veredelungsmöglichkeiten und die neu gestaltete Manufaktur mit den alten Heidelberger Druckmaschinen. Als weiteres Highlight wurde eine originalgetreu nachgebaute Gutenbergpresse organisiert, um den Gästen die Druckkunst zu zeigen, wie sie bereits im 15. Jahrhundert von Johannes Gutenberg genutzt wurde.

Quelle: Graphische Betriebe Staats
Quelle: Graphische Betriebe Staats

200 Jahre, und es geht weiter

Aus der Lippstadter Buchdruckerei ist in 200 Jahren ein spezialisierter Etikettenhersteller geworden. Die Familie hat neue Geschäftsfelder erschlossen, Verfahren ausprobiert und dafür immer wieder in neue Technologien investiert. In sechster Generation führen Gabriele und Rainer Staats den Betrieb mit demselben Unternehmergeist. Mit dem Umbau, den neuen Anlagen und der geplanten Automatisierung stellen sie das Unternehmen für die kommenden Jahre auf.