Für manche wirken die Produktionsrisiken bei Etiketten im Vergleich zur Verpackung oft überschaubar. Bis eine Reklamation zeigt: Nicht das fehlerhafte Etikett war das Problem – sondern die Bedingungen des Kunden, zu denen er den Auftrag erteilt hat. Ein System mit neuem GPT kann helfen, typische Haftungsfallen sichtbar zu machen, bevor sie teuer werden.
Das System hat Oliver Schaeben (Mediasecur Beratungs GmbH) aus mehreren hundert Vertragsanalysen und Schadenfällen mit einem spezialisierten Rechtsanwaltsnetzwerk entwickelt. Schaeben beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit genau dieser Schnittstelle aus Kundenvertrag, Haftung und Versicherungslogik.
Herr Schaeben, Sie sagen: „Das größte Versicherungsrisiko steckt in Kundenverträgen.“ Das ist eine Ansage. Warum?
Oliver Schaeben: Weil ich es immer wieder sehe. Die meisten Etikettendruckereien denken bei ihrem Risiko meist nur an Produktion, Qualität, Reklamation. Verständlich. Aber der Moment, der wirklich weh tun kann, ist oft viel früher, schon vor Produktionsbeginn: die Unterschrift unter den diversen Auftragsbedingungen des Kunden. Da wird festgelegt, wer welche Kosten trägt, wie schnell man reagieren muss, welche Nachweise gefordert werden – und was passiert, wenn etwas „nicht konform“ ist.
Sie arbeiten seit Jahren in diesem sehr speziellen Umfeld: Haftungsrechtliche Stolperstricke in kundenseitigen Verträgen von Etiketten – und Verpackungsdruckereien. Wie kommt man auf so ein Thema?
Schaeben: Ganz ehrlich: aus einem Schockmoment. Ich habe 2008 erlebt, wie ein Kunde beinahe auf knapp einer Million Euro sitzen geblieben wäre. Nicht nur, weil die Etiketten „schlecht gedruckt“ waren, sondern weil eine vertragliche Besonderheit, die er unterschrieben hatte, im Reklamationsfall plötzlich alles gedreht hat – und am Ende stand die Frage: „Zahlt die Versicherung überhaupt?“ Diese Erfahrung war nicht nur die Initialzündung für mein heutiges Geschäftsmodell, sondern auch der Auslöser für mein späteres Buch „Vorher schlauer sein“, das 2022 erschien. Ich wollte etwas festhalten, das in der Praxis ständig passiert – aber kaum jemand wirklich systematisch behandelt.
Ich spreche von dem vertraglichen Risiko. Das wird massiv unterschätzt. Es geht um unerkannte Stolperstricke in Kundenverträgen, die Etikettenbetriebe in Kosten- und Haftungspflichten ziehen können. Heute weiß ich: In rund 90 Prozent der Verträge schlummern Haftungsrisiken, die im Reklamationsfall richtig unangenehm werden können. Und sie werden von Nichtjuristen fast immer übersehen, weil sie so „normal“ aussehen.
Was sind denn typische „Stolperstricke“ in den Kundenverträgen?
Schaeben: Oh, da gibt es eine ganze Menge. Ganz oben auf meiner Top-10-Liste stehen: Wareneingangskontrolle, Garantiezusagen und Haftungsfreistellungen – in all ihren schönen, wortreichen Umschreibungen. Und ich sage es pragmatisch: Versicherer können nicht für etwas zahlen, was ein Kundenvertrag vorher „kaputt formuliert“ hat. In der Praxis fällt dann gern der Satz: „Wir sind dann mal draußen.“ Das will niemand hören, schon gar nicht, wenn gerade die Kundenbeziehung brennt.
Welche Rolle spielt denn in dem Zusammenhang die Umsetzung der PPWR?
Schaeben: Auch so ein Ding. Die PPWR ist ein Trigger – aber eben nur einer. Gerade im Etiketten- und Verpackungsbereich gibt es viele „Desasterpunkte“, die Rückläufer und Beanstandungen auslösen können, ohne dass es ein Produktionsfehler ist: falsche Pflichtangaben, Sprachversionen, Chargen- und MHD-Themen, Claims, Konformitätsnachweise, Kundenanforderungen, Audits oder Plattformvorgaben. Die neue Regulatorik verstärkt den Druck, weil Marktüberwachung und Dokumentationsanforderungen steigen – aber nochmal: Wenn der Vertrag den Versicherungsschutz sprengt, wird’s richtig teuer. Nicht selten existenzbedrohend teuer.
Sie sprechen häufig von einem strukturellen Dilemma. Was ist damit gemeint?
Schaeben: Es ist simpel – und genau deshalb so gefährlich: Der Vertrieb unterschreibt Kundenverträge, weil Aufträge gesichert werden müssen. Und wenn es doch mal hart auf hart kommen sollte, verlassen sich die Verantwortlichen darauf, dass die Versicherung im Schadenfall zahlt – oder dass zumindest der Versicherungsmakler dafür sorgt, dass genau das passiert.
Nur: In der Realität bekommt der Makler Einkaufsbedingungen, QSV, Rahmenverträge usw. häufig gar nicht auf den Tisch – ganz zu schweigen vor der Unterschrift. Und selbst wenn: Er darf und kann in der Regel auch keine einzelfallbezogene Rechtsberatung leisten – geschweige denn alternative Vertragsformulierungen zu den kundenseitigen Bedingungen vorschlagen. Und die Rechtsanwälte? Die prüfen Verträge, markieren Risiken und äußern Bedenken. Aber sie bedenken oft nicht, was diese Klauseln für den Versicherungsschutz bedeuten. Genau hier entsteht nun die gefährliche Lücke: an der Schnittstelle zwischen kundenseitigem Vertrag und Versicherungspolice. Und wenn der Vertrag erst einmal unterschrieben ist, merkt man oft erst im Schadenfall, worauf man sich da eingelassen hat. Dann ist es zu spät – und so mancher Versicherer wird nicht müde zu erklären, warum genau dieser Fall nicht versichert ist.
Was ist heute Ihre Lösung?
Schaeben: Ich habe bereits 2014 ein erstes System entwickelt, das diese Lücke vor der Unterschrift schließt. Stand heute bin ich meines Wissens der einzige Versicherungsmakler mit Fokus auf Etiketten- und Verpackungsdruck in Deutschland, der dafür ein integriertes System mit einem spezialisierten Rechtsanwaltsnetzwerk aufgebaut hat. Dieses Angebot macht sonst niemand aus einem Guss.
Sie haben dazu nun auch einen GPT entwickeln lassen – was kann der?
Schaeben: Der GPT heißt „Mediasecur Haftungskompass Etiketten & Verpackung“. Wichtig: Er ist kein Anwalt im PC, und er „prüft“ keine Verträge im juristischen Sinne. Er ist ein Navigationsinstrument, das auf einer Wissensbasis aus über 20 Jahren Praxis und mehreren hundert typischen Vertragsanalysen und Schadenfällen im Etiketten- und Verpackungsdruck aufsetzt – plus den typischen Prüfmustern und Argumentationslinien, die wir gemeinsam mit unserem Anwaltsnetzwerk immer weiterentwickelt haben. Wir wussten offen gestanden selbst nicht, was wir alles wissen – und diese Wissensdatenbank einfach liegen zu lassen, wäre sträflich gewesen. Also haben wir sie in ein System überführt, das Muster erkennt, Fragen stellt und die richtigen nächsten Schritte vorbereitet. Der Haftungskompass ist in zwei Stufen aufgebaut: Die Light-Version gibt eine schnelle Orientierung, in der Full-Version (Schutzbrief) wird daraus ein Prozess.
Wie kann ein Etikettenbetrieb sofort starten, ohne Großprojekt?
Schaeben: Wer „vorher schlauer sein“ will, kann den Mediasecur Haftungskompass (Light) im Testzugang kennenlernen: Eine kurze Mail mit Betreff „TESTZUGANG“ an schaeben@Mediasecur.de genügt. Gemeinsam schauen wir, ob das Unternehmen und die typischen Kunden- und damit möglichen Vertragskonstellationen zu unserem „Mediasecur Haftungskompass Etiketten & Verpackung“ passen – und wenn ja, schalten wir den Zugang auf Einladung für einen begrenzten Zeitraum frei (vertraulich, ohne Unterlagen im ersten Schritt). Da ich das persönlich gemeinsam mit unserem Rechtsanwaltsnetzwerk begleite, werden wir die Anzahl der Zugänge begrenzen. Und der wichtigste Satz bleibt: Lieber vorher schlauer sein – als einmal zu spät im Reklamationsfall.
Mediasecur-Haftungskompass in zwei Stufen
Light (Schnellcheck)
- Zeigt, welche Vertragsmuster in vergleichbaren Fällen später zum Streit mit dem Versicherer geführt haben
- Ordnet Passagen auf Basis ähnlich gelagerter Schadenkonstellationen und typischer Versicherer-Argumentationen ein
- Macht sichtbar, ob im Vertrag Mechaniken stecken, die später teuer werden können
- Liefert eine erste Orientierung vor der Unterschrift
Es erfolgen:
- keine Angaben von Fundstellen
- keine Vertragsprüfung
- keine Rechtsberatung
Full (Schutzbrief)
Wie „Light“, zzgl:
- Erstellt ein strukturiertes Fundstellen-Mapping der relevanten Passagen
- Ordnet die Fundstellen typischen Risikofeldern zu
- Bereitet die anwaltliche Prüfung, das Gespräch mit dem Kunden und die versicherungslogische Abstimmung gezielt vor
- Liefert Verhandlungsfragen und einen klaren nächsten-Schritte-Plan
- Juristische Bewertung und Formulierungsalternativen über das spezialisierte Anwaltsnetzwerk
Es erfolgen durch das Mediasecur-Rechtsanwaltsnetzwerk:
- Rechtsberatung
- Vertragsprüfung
- alternative Formulierungen
