Römer Etikett in Marburg hat im Rahmen eines Investitionsplans seine Mark-Andy-P5-Drucklinie mit einem Nonstop-Rollenwechsler von Martin Automatic ausgerüstet. Die Installation soll die Produktivität steigern, Material besser nutzen und den Bedienaufwand verringern. Das Projekt ist Teil eines 500.000-Euro-Investitionsplans und gilt als erste Installation dieser Technologie innerhalb der Watershed Group.
Römer Etikett ist seit 2011 die deutsche Produktionsstätte der in Dublin ansässigen Watershed Group. Die Gruppe umfasst sieben Standorte in Europa. Obwohl die Unternehmen ihre jeweilige Identität bewahren und als Profit- und Loss-Center agieren, arbeiten sie nach Unternehmensangaben eng zusammen, insbesondere beim Wissensaustausch, bei der Problemlösung und bei der Arbeitsplanung über Ländergrenzen hinweg.
Ein wesentliches Element ist die konzernweite Standardisierung auf Flexotechnologie der Performance-Serie von Mark Andy. Im Werk Römer sind darunter zwei Acht-Farben-P5-Maschinen im Einsatz. Die P5-Maschinen sind laut Unternehmen für kurze Einrichtzeiten, hohe Produktionsgeschwindigkeiten sowie die Verarbeitung eines breiten Substratspektrums und größerer Auftragsmengen ausgelegt. Nach Angaben von Claus Schüring, Geschäftsführer bei Römer Etikett in Marburg, habe dies die Kapazität des Werks deutlich erhöht.
„Abgesehen von den kurzen Umrüstzeiten und der Fähigkeit, einen qualitativ hochwertigen Punkt mit hoher Geschwindigkeit zu drucken, erzeugen die Mark Andy Druckmaschinen deutlich weniger Makulatur, als alles was ich zuvor gekannt habe. Das brachte mich auf die Idee für den Nonstop-Betrieb“, erklärte er.
Nonstop-Abrollung als erster Automatisierungsschritt
Vor dem Hintergrund des branchenweit schwieriger werdenden Personalmarkts sieht Schüring einen höheren Automatisierungsgrad als naheliegenden Schritt. „Wie bei den meisten Dingen im Leben, denke ich, dass man mit Automatisierung am besten vom Anfang her beginnt. Daher war die Nonstop-Automatisierung der Abrollung für mich der erste Punkt auf der Technologie-Einkaufsliste. Ich habe anhand zahlreicher Installationen an Etikettendruckmaschinen weltweit gesehen, dass Martin Automatic auf diesem Gebiet keine ernstzunehmende Konkurrenz hat“, erklärt er und fügt hinzu, dass die Verhandlungen mit dem US-Hersteller bereits 2024 begannen.
Bernd Schopferer, Europa-Vertriebsleiter bei Martin Automatic, sagt dazu: „Wir wussten genau, was Römer brauchte, da wir unzählige unserer MBS-Modelle an Etikettendruckmaschinen aller großen Hersteller installiert haben. Die Herausforderung war die Platzsituation, die ein gewisses Maß an Kreativität und Anpassung erforderte. Das hat unserem Konstruktionsteam Spaß gemacht.“
Installation unter beengten Platzverhältnissen
Die räumlichen Bedingungen im Marburger Werk galten als anspruchsvoll. Das Werk liegt an einem steilen Hang, wodurch die Produktionsfläche mehrere Höhenunterschiede aufweist. Zudem stand die P5-Druckmaschine, die automatisiert werden sollte, relativ eng zwischen Wänden und Stützpfeilern.
Als Lösung wurde ein MBS-Rollenwechsler von Martin Automatic mit einer Bahnführung über eine Brücke installiert. Diese Ausführung ermöglicht einen Durchgang zwischen dem Bahnspeicher und dem Einlauf in die Druckmaschine.
Automatischer Rollenwechsel bis 150 m/min
Installiert wurde ein voll ausgestatteter MBS von Martin Automatic. Das System ermöglicht einen automatischen Rollenwechsel bei Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu 150 m/min und ist standardmäßig mit dem Martin-EOPP-System ausgerüstet, das den Bediener durch den Spleiß-Vorbereitungsprozess führt.
Bernd Schopferer erklärt: „Das Grundprinzip des Nonstop-Betriebs ist der automatische Rollenwechsel, und Herr Schüring hat das sofort erkannt. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern sorgt auch für eine gleichbleibende Druckqualität, da die Druckmaschine mit einer konstanten Geschwindigkeit laufen kann.“
Nach Angaben des Unternehmens können bei Römer nun auch 4.000-Meter-Rollen eingesetzt werden, anstelle der zuvor üblichen Rollen mit 2.000 Metern Material. Darüber hinaus vereinfache der Nonstop-Abwickler die Nutzung kleinerer Restrollen, deren Verarbeitung mit einem Standard-Mono-Abwickler wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen wäre. Schüring zufolge spart dies Material und erleichtert zugleich die Bedienung.
„Wir transportieren und lagern Rollen im Betrieb vertikal, was das Handling und Laden erheblich erleichtert, und mit dem Martin MBS können wir sie trotz ihrer Größe und ihres Gewichts schnell und einfach wechseln.“
Erste Auswertungen und weitere Ausbaustufen
Erste Auswertungen aus dem Nonstop-Betrieb zeigen laut Römer eine Einsparung von mindestens einer Stunde pro Tag durch den Martin-Rollenwechsler. Die Mark Andy P5 ist inzwischen zusätzlich mit einer Nonstop-Stanzgitter-Absaugung, einer 100%-Kamerainspektion und einem automatischen Turret Rewinder ausgestattet. Damit können die fertigen Rollen direkt von der Druckmaschine in den Karton verpackt werden. Das Unternehmen erwartet deshalb künftig weitere Produktivitätsgewinne.
Der Investitionsplan in Höhe von 500.000 Euro umfasst außerdem eine umfassende Schulung des Bedienpersonals sowie praktische Erfahrungen im Umgang mit der vollautomatischen Drucklinie, um den Nutzen für die Produktivität zu erhöhen. „Der kurze ROI ist ein überzeugendes Argument für die Martin-Anlage”, erklärte Schüring. Schopferer ergänzt: „Für mich macht es wenig Sinn eine Etikettendruckmaschine – unabhängig von Auftragsgröße und Produktionsgeschwindigkeit – ohne automatischen Rollenwechsler zu betreiben. Die Qualität und die Effizienz werden deutlich besser und somit auch der Ertrag.“
Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die erste Installation von Martin-Automatic-Technologie innerhalb der Watershed Group. Wenn sich die neue Anlage bewährt, könnten weitere Installationen folgen, so Schopferer.