Interpack 2026

Das bietet die Interpack 2026 für Etikettendruckereien

Quelle: Constanze Tillmann
Quelle: Constanze Tillmann

Vom 7. bis 13. Mai 2026 findet die Interpack in Düsseldorf statt. Mit rund 2800 Ausstellern aus mehr als 60 Ländern und einem vollständig belegten Messegelände gehört sie zu den zentralen Veranstaltungen der internationalen Verpackungsindustrie. Auch für Etikettendruckereien hat die Veranstaltung Relevanz.

Die Interpack ist keine reine Etikettenmesse, aber gerade das macht sie für Fachleute interessant: Sie bildet den Markt im industriellen Gesamtzusammenhang ab. Und der hat sich für den Etikettenbereich zuletzt deutlich verändert. „Smart Manufacturing, Innovative Materials und Future Skills“ – diese „Hot Topics“ nennt der Veranstalter für die Messe. Halle 8A und 8B bilden für Etikettendruckereien den Schwerpunkt: Dort präsentieren sich unter anderem Actega, Herma, Bobst und UPM. Auch Screen, IST Metz, Kurz, Hybrid Software und Esko sowie Etikettendruckereien sind dort vertreten.

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PPWR und Recycling: Das beherrschende Thema

Kaum ein Thema prägt die Interpack 2026 so stark wie die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Die PPWR zwingt die gesamte Wertschöpfungskette zur Anpassung – und das Etikett nimmt dabei eine zentrale Rolle ein: Je nach Auswahl von Klebstoff, Farbe und Trägermaterial kann es den Recyclingprozess erschweren oder unterstützen. Entsprechend werden auf der Messe Lösungsvorschläge vorgestellt.

Der Geschäftsbereich Haftmaterial von Herma tritt 2026 erstmals mit einem eigenständigen Stand auf der Interpack auf (Halle 8A, Stand D11). Im Mittelpunkt steht der neue digitale GreenGuide, ein Tool, das die Auswahl nachhaltiger Haftmateriallösungen nach bestimmten Kriterien unterstützen soll. Als technisches Schlüsselbeispiel zeigt Herma seinen Haftkleber 72Hpw, der inzwischen sowohl für PET- als auch für HDPE-Recyclingprozesse zertifiziert ist. Damit gehört Herma zu den ersten Anbietern, die zertifizierte Wash-off-Lösungen auch für HDPE-Verpackungen anbieten. Ebenfalls gezeigt wird der Herma InNo-Liner, eine Lösung ohne Trägermaterial.

Actega veranstaltet am Messestand eine Reihe von Expert Talks, die sich mit wichtigen regulatorischen und technischen Themen befassen (Halle 8A, Stand D59). Präsentiert wird das Portfolio für selbstklebende Etiketten, Shrink-Sleeves und In-Mold-Labels. Auch UV-, LED- und wasserbasierte Beschichtungen sind am Stand zu sehen. Sie haben vielfältige visuelle Effekte und adressieren zugleich technische Anforderungen. Außerdem zeigt Actega den ActDigi LEP Primer, der für HP Indigo 6K-, 6K+- und 8K-Digitaldruckmaschinen entwickelt wurde. Auch die ressourcenschonende Ecoleaf-Technologie zur Etikettenmetallisierung wird demonstriert.

Oft werden Veredelungen als potenzieller Störfaktor im Recycling diskutiert. Die Materialmenge ist dabei entscheidend. Diesbezüglich richtet sich Kurz auf die sogenannte „slim technology“ aus. Ziel ist es, Veredelung und Recyclingfähigkeit besser miteinander zu vereinbaren. Am Gemeinschaftsstand der PrintCity Alliance finden Besucherinnen und Besucher ein Portfolio für die Hochglanzveredelung von Etiketten (Halle 8A, Stand B48). Während der Messe produziert die MJET-X-Series von MPrint entsprechende Anwendungen im Live-Betrieb.

Härtung: LED-UV setzt sich durch

Regulierungen betreffen zunehmend auch den Markt für Druckfarben und Lacke – besonders in Bezug auf Recyclingverträglichkeit und Migration. Für letztere ist die Art der Trocknung bzw. Härtung ein kritisches Thema. Lösungen hierfür stellt IST Metz vor – ebenfalls auf dem PrintCity-Gemeinschaftsstand (Halle 8A, Stand B48). Gezeigt wird FreeCure: Das patentierte, wassergekühlte UV-System ermöglicht die Härtung von Farben und Lacken nahezu ohne Photoinitiatoren. Das kann Migration reduzieren und ist insbesondere für Anwendungen im Lebensmittelumfeld relevant. Auch das energieeffiziente LEDcure NX wird demonstriert. Es hat eine hohe Leistungsdichte und ist mit der SmartCure-Technologie ausgestattet. Im Fokus steht daneben der UV Analyzer, ein App-basiertes Messsystem zur Echtzeitkontrolle der UV-Dosis per Bluetooth.

Druckinspektion und Qualitätssicherung: KI hält Einzug

Trotz aller Regularien muss sich die Etikettenproduktion wirtschaftlich lohnen. Inline-Inspektion bleibt dabei eine zentrale Voraussetzung. Die Interpack 2026 zeigt, wie KI-gestützte Systeme die Druckinspektion weiterentwickeln. Ein Beispiel ist das Unternehmen EyeC, das den ProofRunner Web Evo vorführt (Halle 11, Stand D01). Kern der Lösung ist eine neue KI-gestützte Fehlerklassifizierung. Das vortrainierte System unterscheidet zwischen kritischen Fehlern und weniger relevanten Abweichungen wie Staubpartikeln. Nach Angaben des Herstellers reduziert das die Zahl der Pseudofehler und erhöht die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Auf der Messe läuft der ProofRunner Web Evo live auf einer Bobcat BRM vom französischen Hersteller DCM.

Erhardt+Leimer zeigt gleich zwei Neuheiten für diesen Bereich (Halle 12, Stand A40). Das 200%-Inspektionssystem SmartScan ist nun auch als SmartScan RFID verfügbar. Es prüft nicht nur Druckbild und Trägermaterial, sondern erkennt zusätzlich Beschädigungen von RFID-Inlays. Das ist mit Blick auf den wachsenden Markt für smarte Etiketten besonders relevant. Das Bahnbeobachtungssystem ElScan OMS5/OMS5 UV arbeitet mit dualView-Technologie und zwei 18-Megapixel-Kameras. Ein neues Lichtkonzept mit zusätzlichem Blitz soll Gold- und Silberfolie in Echtfarben darstellen und auch Lacke sichtbar machen.

Prepress und automatisiertes Workflowmanagement

Auch in Vorstufe, Auftragsabwicklung und Farbmanagement spielt KI eine zunehmend große Rolle. In diesem Bereich zeigt Hybrid Software mehrere Anwendungen (Halle 8A, Stand B54). Neben Herma ist auch dieses Unternehmen erstmals auf der Interpack vertreten. Demonstriert wird, wie Smart PDF die Konformität von Druckvorlagen über den gesamten Managementprozess hinweg prüft. Cloudflow Matches steht ebenfalls im Mittelpunkt. Es handelt sich dabei um eine KI-gestützte visuelle Suchmaschine für Verpackungsvorlagen. Diese identifiziert frühere Aufträge mit ähnlichen Texten, Barcodes und Bildinhalten. So soll sie die Bearbeitung ähnlicher Etikettenvarianten beschleunigen. Auch gezeigt werden die neuen Versionen des PDF-Editors PackZ sowie von Artflow.

Gemeinsam mit Videojet Technologies zeigt Esko einen durchgängigen digitalen Workflow vom Design bis zur Produktionslinie (Halle 8B, Stand C14). Im Fokus steht Esko S2: eine KI-gestützte Plattform, die alle Beteiligten auf Basis einer zentralen Artwork-Datenquelle zusammenführt. Für Etikettendrucker kann das zu kürzeren Durchlaufzeiten und geringeren Fehlerquoten führen.

Druckmaschinen: Inkjet bleibt auf Wachstumskurs

Hersteller von Etikettendruckmaschinen sind auf der Interpack weniger vertreten – diese Rolle nimmt die LOUPE (ehemals Labelexpo) ein. Dennoch zeigen mehrere Aussteller den Stand der zunehmend wichtigen Inkjet-Technologie im Verpackungskontext. Neben der Truepress Pac 520P präsentiert Screen vor Ort auch Entwicklungen rund um die Truepress Label 350UV SAI (Halle 8A, Stand E50). Mit inzwischen mehr als 350 Installationen weltweit zählt die Maschine zu den etablierten Inkjet-Plattformen im Etikettendruck.

Auch Bobst ist auf der Messe vertreten. Das Unternehmen setzt auf ein Netzwerk aus Partnerständen. Gemeinsam mit Tesa, DOW Chemical, Sun Chemical, Kuraray, Henkel, Michelman und weiteren Unternehmen zeigt Bobst Muster und Lösungsansätze, die aus der Kombination verschiedener Technologien entstehen. Parallel zur Messe plant Bobst Demonstrationen im Bobst Packaging Center in Bielefeld.

Im Weiterverarbeitungsbereich können Etikettendruckereien Schobertechnologies besuchen (Halle 8A, Stand F60). Das Unternehmen präsentiert seine Produktlinie für das Schneiden und automatisierte Stapeln von In-Mould-Labels. Im Fokus steht die RSM IML MX 410 mit Single Spider Plus und flexiblen Erweiterungsmöglichkeiten. Die Anlage verarbeitet verschiedenste Materialien wie PVC und PET. Ergänzt wird das System durch Module für feine Stanzbilder sowie Werkzeuge zum Schneiden und Rillen.

Auch Druckereien stellen aus

Die Interpack beleuchtet Verpackungs- und Etikettenproduktion nicht nur von Herstellerseite – auch Druckereien stellen aus. Sie demonstrieren, wie die neuen Lösungen der Hersteller regulierungskonform und nachhaltig genutzt werden können. Ein Beispiel ist Securikett (Halle 8A, Stand B30): die PaperVoid-Serie umfasst papierbasierte Sicherheitsetiketten und -siegel, die gemeinsam mit Papier- und Kartonverpackungen recycelt werden können. Für Kunststoffverpackungen zeigt das Unternehmen Sicherheitsetiketten aus PP-Rezyklat. Mit der digitalen Verifikations- und Rückverfolgbarkeitsplattform Codikett verknüpft das Unternehmen physische Etiketten mit digitalen Produktdaten. Das ist auch mit Blick auf den Digitalen Produktpass (DPP) relevant. Der global tätige Etikettenhersteller CCL Label zeigt Lösungen im Kontext der PPWR-Anforderungen (Halle 8A, Stand B30): WashOff-Etiketten für Rückgabeglas, EcoFloat- und EcoFloat-White-Sleeves zur Verbesserung des PET-Recyclings sowie Monomaterialbeutel mit höherer Recyclingfähigkeit.

Den Gesamtzusammenhang im Blick behalten

Die Interpack ist keine LOUPE (ehemals Labelexpo). Wer in erster Linie Etikettendruckmaschinen sehen will, ist dort besser aufgehoben. Die Interpack zeigt jedoch den größeren Zusammenhang, in den Etiketten eingebettet sind: Verpackungsmaterialien, Recyclingkonzepte, digitale Workflows, Inspektionssysteme, Veredelungstechnologien, Farb- und Lacksysteme sowie regulatorische Rahmenbedingungen. Die Themen, die 2026 in Düsseldorf sichtbar werden, gehören zu den Entwicklungen, die Etikettendruckereien in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Gerade deshalb kann ein Besuch der Messe sinnvoll sein.