So setzt sich Litograf in Europa durch

Erfolgreich mit Multilayer- Etiketten im Nischensegment

Litograf möchte mit der Bobst Digital Master 340 mit FlexJet-Modul die Produktionskapazität von Multilayer-Etiketten verdoppeln (Quelle: Bobst)
Litograf möchte mit der Bobst Digital Master 340 mit FlexJet-Modul die Produktionskapazität von Multilayer-Etiketten verdoppeln (Quelle: Bobst)

Litograf hat sich auf hochwertige Mehrlagenetiketten spezialisiert und investiert zur weiteren Skalierung in eine Bobst Digital Master 340 mit FlexJet-Modul. Business Manager Eduard Vidra erklärt im Interview, wie das Unternehmen damit Effizienz, Kapazität und seine starke Marktposition in Europa weiter ausbauen will.

Anzeige

Eduard Vidra, verantwortlicher Geschäftsführer für den Bereich Multilayer bei Litograf (Quelle: Litograf)
Eduard Vidra, verantwortlicher Geschäftsführer für den Bereich Multilayer bei Litograf (Quelle: Litograf)

Die Druckerei Litograf mit zwei Standorten in der Slowakei ist auf die Produktion von Etiketten für Wein, Spirituosen und Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert. Mit einem Fokus auf hochwertige Mehrlagenetiketten mit bis zu sieben Seiten hat sich Litograf in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Das Unternehmen zählt in Europa als starker Anbieter im Multilayer-Segment für Nahrungsergänzungsmittel. Business Manager Eduard Vidra spricht über die aktuelle Investition in eine Maschine von Bobst. Er erläutert aktuelle Markttrends und die Strategie dahinter.

 

Herr Vidra, bitte stellen Sie Litograf kurz vor. Worüber definiert sich Ihr Unternehmen?
Eduard Vidra: Unser größter Fokus liegt auf Etiketten mit hohem Mehrwert. Das heißt, wir setzen viele, teils aufwändige Veredelungen um. Auf Wein- und Spirituosenseite sind es aufwendig veredelte Etiketten, auf der Supplement-Seite produzieren wir Mehrlagenetiketten mit bis zu sieben Seiten. Die Spezialisierung auf hochwertige Etiketten mit Zusatznutzen ist unser Erfolgsrezept. Wir wollen nicht das billigste Produkt herstellen, sondern eines, das durch Innovation und Mehrwert überzeugt – und sich deshalb auch zu besseren Preisen verkaufen lässt. Das ist unsere Philosophie, unsere DNA.

Sie sagen, Innovation ist Teil Ihrer DNA. Was bedeutet das konkret?
Vidra: Unser Motto lautet „Innovation in Printing“. Wir sind kein riesiges Unternehmen, aber wir wachsen stark, weil wir Dinge ausprobieren, die andere noch nicht tun. Wir waren zum Beispiel Beta-Tester einer Xeikon-Inkjetmaschine – ein Jahr lang, bevor sie auf den Markt kam. Wir glauben: Wenn man erfolgreich sein will, darf man nicht das tun, was alle tun. Man muss früher experimentieren, neue Wege gehen, neue Anwendungen suchen. Das ist unser größter Wettbewerbsvorteil.

Auf welche Märkte legen Sie derzeit Ihren Fokus?
Vidra: Etwa 65 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Etiketten für Nahrungsergänzungsmittel. In diesem Bereich sind wir der größte Produzent in Zentraleuropa und einer der stärksten Anbieter für Mehrlagenetiketten. Unsere Produkte gehen an Kunden in der ganzen EU, außerdem in die USA und in den Nahen Osten. Der deutsche Markt spielt dabei eine wichtige Rolle.

Können Sie Ihre größten deutschsprachigen Kunden nennen?
Vidra: Natürlich. Zu unseren größten Kunden gehören German Elite Nutrition und vit4ever Vit – zwei bekannte Marken, die wir seit ihren Anfängen begleiten. Sie sind mit uns gewachsen.

„Auf diesen Zug kann man nicht einfach spontan aufspringen – das erfordert Erfahrung und kontinuierliche Entwicklung“ – Eduard Vidra,
verantwortlicher Geschäftsführer für den Bereich Multilayer bei Litograf –

Wie ist die Wettbewerbssituation für Mehrlagenetiketten in Europa und speziell in Ihrer Region – gibt es viele Anbieter für Mehrlagenetiketten?
Vidra: In der Slowakei gibt es niemanden, der Mehrlagenetiketten mit drei oder mehr Seiten in größerem Volumen produziert. In ganz Zentraleuropa sind wir einer der wenigen, die fünf- oder sogar siebenlagige Etiketten herstellen können. Unsere Maschinen für diesen Bereich haben mittlerweile einen Gesamtwert von rund drei Millionen Euro. Das zeigt, wie konsequent wir über Jahre in diese Technologie investiert haben. Auf diesen Zug kann man nicht einfach spontan aufspringen – das erfordert viel Erfahrung und kontinuierliche Entwicklung.

Wie hat sich die Nachfrage Ihrer Kunden in den letzten Jahren verändert?
Vidra: Im Wein- und Spirituosensegment sehen wir klar: Die großen Auflagen werden seltener. Stattdessen gibt es Sondereditionen, Spezialabfüllungen und limitierte Serien. Einer der Gründe ist, dass die Generation Z deutlich weniger Alkohol konsumiert als frühere Generationen. Der Markt reagiert darauf mit
kleineren, vielfältigeren Produktionen – und das ist ideal für den Digitaldruck. Im Supplement-Bereich wächst dagegen die Nachfrage nach mehrseitigen Etiketten stark. Europa ist ein mehrsprachiger Markt, und auf Produkten, die konsumiert werden, müssen die Informationen in der jeweiligen Landessprache stehen – Dosierung, Inhaltsstoffe, Risiken. Diese Pflichtangaben lassen sich nicht digital ersetzen, auch nicht durch QR-Codes. Ich denke, QR-Codes könnten künftig auf manchen Konsumprodukten gedruckte Texte ergänzen, aber nicht in den Bereichen Gesundheit und Kosmetik. Diese Märkte brauchen physisch lesbare Infos auf dem Etikett. Deshalb wird der Mehrlagenmarkt weiter wachsen.

Welche Herausforderungen standen zuletzt im Mittelpunkt Ihrer Unternehmensstrategie?
Vidra: Die größte Herausforderung war, die Produktion von Mehrlagenetiketten für Nahrungsergänzungsmittel profitabler und effizienter zu machen. Diese Branche ist völlig anders als etwa der Markt für Kosmetik oder Lebensmittel. Dort hat man wenige Varianten mit hohen Stückzahlen. Bei Supplements ist es genau umgekehrt: Wir haben Kunden mit 340 verschiedenen Produkten, von Vitamin A bis Z. Manche Auflagen umfassen nur 700 Stück, andere 40.000. Das erfordert eine ganz andere Produktionslogik.

Am Standort Bratislava (Slowakei) produziert Litograf hauptsächlich Etiketten für Wein, Spirituosen und Nahrungsergänzungsmittel (Quelle: Litograf)
Am Standort Bratislava (Slowakei) produziert Litograf hauptsächlich Etiketten für Wein, Spirituosen und Nahrungsergänzungsmittel (Quelle: Litograf)

Auf welche Technologien setzen Sie derzeit?
Vidra: Wir haben uns in den letzten Jahren stark in Richtung Digitaldruck und Hybridproduktion entwickelt. Die meisten früheren Flexoaufträge laufen heute digital auf Maschinen von Xeikon und Konica Minolta. Im Finishing-Bereich arbeiten wir eng mit GM zusammen. Ein weiteres Highlight ist unsere MGI-Digitalveredelung, mit der wir gleich vier Auszeichnungen gewonnen und sieben Finalteilnahmen erzielt haben – unter anderem in der Kategorie „Variable digitale Veredelung“.

2026 wird Litograf eine neue Maschine in Betrieb nehmen: Warum haben Sie sich für eine Bobst Digital Master 340 in Kombination mit dem FlexJet-Modul entschieden?
Vidra: Die Bobst Digital Master ist eine Hybridlinie mit zwei Flexostationen und einer digitalen Einheit, die direkt auf den Kleber drucken kann. Wir haben bereits eigene Lösungen entwickelt, um in den Kleber zu drucken. Mit der neuen Bobst-Maschine werden wir das jetzt deutlich schneller umsetzen können. Allein durch die höhere Produktivität entstehen zwei zusätzliche Schichten, ohne dass wir Personal aufstocken müssen. Das war für uns der ausschlaggebende Punkt. Viele andere Systeme kombinieren Module verschiedener Hersteller – eines für Flexo, eines für Digital, eines für den Kleberdruck. Wenn dann etwas nicht funktioniert, ist es schwierig, den Fehler zu lokalisieren. Bei Bobst kommt alles aus einer Hand, und genau das wollten wir. So können wir künftig viele Jobs in einem Durchgang produzieren. Das reduziert Zwischenschritte und spart enorm viel Zeit. Wir erwarten, dass wir damit unsere Produktionskapazität verdoppeln können – ohne zusätzliche Finishinglinien oder mehr Personal.

„Der Markt für Supplements wächst jährlich um Milliarden Euro, und das Multilayer-Segment wächst mit“ – Eduard Vidra –

Und wenn sich die Investition in Bobst bewährt?
Vidra: Dann wird sie sicher nicht die letzte sein. Wir investieren jedes Jahr in neue Maschinen. Wenn sich die Bobst Digital Master 340 als so produktiv erweist, wie wir erwarten, wird eine zweite Anlage folgen.

Welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre?
Vidra: Wir konzentrieren uns weiterhin auf unsere beiden Hauptsegmente – Nahrungsergänzungsmittel sowie Wein und Spirituosen. In beiden Bereichen investieren wir kontinuierlich in zusätzliche Kapazitäten. Der Markt für Supplements wächst jährlich um Milliarden Euro, und das Multilayer-Segment wächst mit. Wir wollen nicht nur für Markenhersteller produzieren, sondern auch Kooperationspartner für andere Druckereien sein. Viele Betriebe haben keine Möglichkeit, Mehrlagenetiketten selbst zu fertigen – wir schon. Ein Beispiel: Eine Druckerei aus dem Balkan ist mit unserer Unterstützung in den Multilayermarkt eingestiegen. Im vergangenen Jahr haben wir für sie Aufträge im Wert von rund 200.000 Euro produziert. Solche Partnerschaften möchten wir weiter ausbauen. Wer also Kapazitäten sucht – wir sind offen für Kooperationen.