Girls‘ Day und die Schreiner Group – ein Interview aus der Praxis

Julia Legotina (24) ist im ersten Ausbildungsjahr. Dass sie selbst täglich an den großen Druckmaschinen steht, konnte sie sich vorher gar nicht vorstellen (Quelle: Schreiner Group)
Julia Legotina (24) ist im ersten Ausbildungsjahr. Dass sie selbst täglich an den großen Druckmaschinen steht, konnte sie sich vorher gar nicht vorstellen (Quelle: Schreiner Group)

Seit 2001 findet in Deutschland alljährlich der Girls‘ Day statt, bei dem sich Mädchen über typische „Männerberufe“ informieren können. Die Schreiner Group aus Oberschleißheim ist wieder dabei – allerdings in anderer Form.

Insgesamt 19 Mal konnten sich Schülerinnen bei dem international tätigen Familienunternehmen bereits einen Einblick in einen der vielen technischen Berufe verschaffen. Am 22. April findet der Aktionstag in diesem Jahr bundesweit wieder statt – aufgrund von Corona allerdings nur sehr eingeschränkt.

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- Für Lara Wimmer (21) gibt es keine Frauen- und Männerberufe. Die Auszubildende Medientechnologin Siebdruck findet: „Was ein Mann kann, kann eine Frau auch machen“ (Quelle: Schreiner Group)
Für Lara Wimmer (21) gibt es keine Frauen- und Männerberufe. Die Auszubildende Medientechnologin Siebdruck findet: „Was ein Mann kann, kann eine Frau auch machen“ (Quelle: Schreiner Group)

Doch bei der Schreiner Group stehen nicht nur am Girls‘ Day junge Frauen an den Maschinen. Lara Wimmer (21) und Julia Legotina (24) sind zwei von vielen Frauen, die bei dem Familienunternehmen in einem typischen „Männerberuf“ tätig sind. Beide absolvieren derzeit eine Ausbildung zur Medientechnologin Siebdruck. Ein Gespräch mit den beiden gibt einen Einblick in den beruflichen Alltag.

Was machen Sie genau in Ihrem Beruf?

Lara Wimmer: Ich drucke Etiketten für die Pharma- und Automobilindustrie. Genauer gesagt, richte ich die Maschine fertig zum Drucken ein. Dazu gehören viele einzelne Schritte: das Material durch die Maschine ziehen, den Vorschub einstellen, Siebe und Rakel einbauen, Rakeldruck und -weg einstellen. Nach dem Druckvorgang prüft man das Druckerzeugniss mit den Vorgaben, also zum Beispiel ob die Farben passen.

Julia Legotina: Ich bin auch hauptsächlich direkt im Produktionsbereich an der Maschine. Dort helfe ich beim Auftragsanrichten, Drucken und Abrüsten. Aber während der Ausbildung lernt man auch andere Abteilungen kennen. Ich war beispielsweise schon im Farblabor oder der Druckformherstellung, wo alle Druckformen gefertigt werden.

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrem Beruf, was finden Sie besonders spannend?

Lara Wimmer: Das Einrichten der Maschine macht mir am meisten Spaß. Das Schöne daran finde ich, ist, dass man zu zweit an der Maschine als Team arbeitet.

Julia Legotina: Ich finde auch besonders toll, dass alle zusammenarbeiten, um das Ziel zu erreichen. In meinem Team sind alle sehr nett. Besonders spannend ist es, wenn du den ersten Abdruck siehst, den du selbst gemacht hast!

Lara Wimmer: Richtig spannend finde ich, dass oftmals Kleinigkeiten, wie der Rakeldruck, der Rakelwinkel oder der Absprung vom Sieb zum Bedruckstoff, die Druckqualität beeinflussen. Was ich damit sagen will, auch an einem Siebdruckvollautomaten muss man noch einiges mit bedenken.

Wie fühlen Sie sich als Frau in einem typischen „Männerberuf“?

Lara Wimmer: Am Anfang fand ich es schon etwas komisch und ich hatte Angst, dass ich den Beruf nicht so gut hinbekommen würde. Aber nachdem ich mich gut angestellt habe und gezeigt habe, dass ich den Beruf lernen möchte, wurde ich ganze schnell „akzeptiert“. Allgemein fühle ich mich echt wohl!

Julia Legotina: Manchmal ist es ein bisschen ungewöhnlich. Aber das finde ich auch gut, um sich selber zu testen. Und ich habe ja auch Vorteile gegenüber meinen männlichen Kollegen. Vielleicht kann ich nicht die schweren Rollen aufheben, aber ich habe kleinere Hände, was oftmals sehr nützlich sein kann. (lacht)

  1. Was empfehlen Sie Mädchen und jungen Frauen, die sich für einen klassischen „Männerberuf“ interessieren?

Lara Wimmer: Sie sollten nicht zu viel nachdenken, was Männer über sie denken könnten und einfach ihr Ding machen, wenn es doch das ist, was ihnen Spaß macht!

Julia Legotina: Keine Angst! Wenn ihr das wirklich wollt, werdet ihr auch als Frau in einem Männerbereich erfolgreich sein.

Was kann man machen, damit mehr junge Frauen und Mädchen „Männerberufe“ ergreifen?

Lara Wimmer: Das klingt vielleicht doof, aber Frauen und Männer sollten einfach gleich behandelt werden. Selbst in der Schule könnte man schon damit anfangen, dass man bei den Berufen keine Jungen- oder Mädchen-Berufe daraus macht. Ein Mädchen sollte nicht runtergemacht werden, nur, weil sie keinen typischen Mädchen-Beruf macht. Der Girls‘ Day ist wichtig, damit Mädchen gezeigt wird, was für interessante Berufe es so gibt, die man als Frau oft einfach nicht kennt, da es ja „Männerberufe“ sind. Es soll einfach gezeigt werden: was ein Mann kann, kann eine Frau auch machen.

Julia Legotina: Junge Frauen brauchen Unterstützung, wenn sie einen Beruf wählen, der nicht so „frauen-typisch“ ist. Auch ein paar gute Worte können oft schon helfen! Insgesamt muss man noch mehr gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze wie unsere schaffen, wo auch das Gesundheitsrisiko minimal ist. Viele Frauen entscheiden sich sonst für einen Office-Job.

Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?

Lara Wimmer: Ich wollte Tierpflegerin werden.

Julia Legotina: Konditorin! Ich wollte die schönste Torte machen.

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