Preissteigerungen von 60% sind keine Ausreißer

IPV-Umfrage Rohstoffverknappung – Mangel vor allem im Bereich Kunststoff

„Die Lage sorgt bei uns für Sorgenfalten. Einige unserer Mitglieder werden bei dieser Entwicklung schon im März Probleme mit der Produktion bekommen“, verdeutlicht IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger die aktuelle Lage (Quelle: IPV)
„Die Lage sorgt bei uns für Sorgenfalten. Einige unserer Mitglieder werden bei dieser Entwicklung schon im März Probleme mit der Produktion bekommen“, verdeutlicht IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger die aktuelle Lage (Quelle: IPV)

Die Rohstoffverknappung im Kunststoffbereich hat die Verpackungsbranche kalt erwischt. Das ergab eine Kurzumfrage des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung.

Im Ergebnis: Die Schwierigkeiten der Versorgung waren so nicht vorhersehbar. Mehr als 85 Prozent der Mitgliedsbetriebe bezeichnen die aktuelle Versorgungslage mit Kunststoffen als schlecht, die Hälfte sogar als sehr schlecht. Die Kosten für die Materialbeschaffung sind bereits enorm gestiegen. Es sind vor allem Granulate und Folien, die sich im Preis merklich verteuert haben.

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Preissteigerungen von 60 Prozent beispielsweise bei OPP-Folien, sind derzeit kein Ausreißer. Die Preise für HDPE Flachfolien, aber auch PE-LD, PE-LLD, sowie PP sind merklich gestiegen. Je nach Material stiegen die Preise in Einzelfällen im Vergleich zum dritten und vierten Quartal 2020 um bis zu 100 Prozent. Selbst bei bereits bestellter und zugesicherter Ware mussten teilweise Preisverhandlungen durchgeführt werden, um die Lieferung abzusichern. Und die Lieferanten von Verpackungsfolien haben bereits weitere Preiserhöhungen angekündigt. Zudem gibt es grundsätzliche Beschaffungsschwierigkeiten. „Die Lage sorgt bei uns für Sorgenfalten. Einige unserer Mitglieder werden bei dieser Entwicklung schon im März Probleme mit der Produktion bekommen. Die unerwarteten Lieferverzögerungen haben bereits Umstellungen des Produktionsplans erforderlich gemacht. Mittelfristig drohen sogar Produktionsunterbrechungen“, so IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger.

 Lage droht sich weiter zu verschlechtern

Auch die Mitgliedsunternehmen, die derzeit weniger Probleme haben, räumen ein, dass sie derzeit Vorkehrungen treffen, den eigenen Lagerbestand deutlich zu erhöhen. Dies verursacht unnötige zusätzliche Kosten in Beschaffung und Lagerführung und wird die Gesamtmarktlage nicht entspannen.

Noch ist die zukünftige Entwicklung nicht genau zu erfassen. Viele Unternehmen planen von Tag zu Tag. Immerhin sehen sich 57 Prozent noch nicht akut in der Produktion beeinträchtigt, aber ein Teil dennoch zunehmend bedroht. 86 Prozent blicken angespannt in die nahe Zukunft und erwarten, dass sich die Versorgungslage in den nächsten Wochen verschlechtern wird. Woher kommt der spontane Preisanstieg? Vorlieferanten sprechen von „Force Majeure“, also von höherer Gewalt, ausgelöst durch die überraschend schnelle Erholung einzelner Branchen und umgelenkte Rohstoff-Importe nach China. Die Wetterkapriolen in Texas sollen eine zusätzliche Erklärung sein. Die Mitgliedsunternehmen des IPV appellieren dringend an die gesamte Lieferkette alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Engpässe zu beheben und die Lieferfähigkeit von verpackten Lebensmitteln und anderen systemrelevanten Produkten sicherzustellen.

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