Print4All 2026

Konferenz über KI in der Druckindustrie

Paola Sarco, Fiera Milano (Quelle: Fiera Milano)
Paola Sarco, Fiera Milano (Quelle: Fiera Milano)

Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, geopolitische Entwicklungen und neue Qualifikationsanforderungen standen im Mittelpunkt der achten Print4All Conference. Die behandelten Themen sollen auch die inhaltliche Ausrichtung der Print4All prägen, die vom 25. bis 28. Mai 2027 auf dem Gelände der Fiera Milano stattfindet.

Die Konferenz wurde am 1. und 2. Juli in Varese veranstaltet. Nach Angaben der Organisatoren nahmen 340 Personen aus 240 Unternehmen teil, darunter 72 internationale Delegierte aus 22 Ländern. Zum Auftakt wurde die Gründung der PACTA – Printing & Converting Technology Alliance angekündigt. Die Organisation führt die beiden Branchenverbände Acimga und Argi zusammen und soll Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette unterstützen.

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Paola Sarco von der Fiera Milano stellte zudem erste Programmpunkte der Print4All 2027 vor. Dazu gehören Print Matter(s), ein gemeinsam mit der Universität La Sapienza in Rom entwickeltes Format zu innovativen Materialien, die Corrugated Experience zum Wellpappenmarkt sowie Print4Future. Die Initiative soll junge Menschen über Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in der Druck- und Converting-Industrie informieren.

Verantwortung bleibt beim Menschen

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf dem Zusammenspiel von menschlicher Fachkompetenz und künstlicher Intelligenz. KI kann Prognosen, Analysen und Empfehlungen liefern, Produktionsprozesse unterstützen und Arbeitsabläufe optimieren. Die Bewertung der Ergebnisse und die abschließende Entscheidung bleiben jedoch Aufgabe des Menschen.

Als zentrale Herausforderung wurde deshalb nicht die grundsätzliche Nutzung von KI genannt, sondern deren kontrollierte Integration in bestehende Unternehmensprozesse. Dafür seien geeignete Governance-Strukturen sowie eine kontinuierliche Überprüfung der Systeme erforderlich. Praxisberichte von Unternehmen zeigten, dass der Nutzen von KI insbesondere von der Qualität der Daten, der Qualifikation der Beschäftigten und der organisatorischen Einbindung abhängt. Technologische Lösungen würden sich zunehmend angleichen. Unterschiede entstünden daher vor allem durch die Fähigkeit eines Unternehmens, diese Systeme wirksam einzusetzen und weiterzuentwickeln.

Italien holt bei KI-Nutzung auf

Nathan Safran von Alliance Insights und Stefano Portolani von der Stratego Group verglichen die Nutzung künstlicher Intelligenz in Italien und den USA. Der Untersuchung zufolge setzen 76 Prozent der befragten US-Unternehmen bereits KI ein. In Italien liegt der Anteil bei 57 Prozent. Von den italienischen Unternehmen, die KI bislang noch nicht nutzen, planen 40 Prozent eine Einführung innerhalb eines Jahres. In den USA sind es 31 Prozent.

Als wichtigste Hürde wurde in beiden Märkten nicht mehr der Zugang zur Technologie, sondern deren Einbindung in betriebliche Abläufe genannt. In den USA wird die Einführung häufiger als unternehmensweite strategische Entscheidung behandelt. In Italien liegt die Umsetzung dagegen öfter bei spezialisierten Teams oder einzelnen Fachabteilungen.

Nachhaltigkeit als gemeinsame Aufgabe

Auch nachhaltigere Produktionsprozesse bildeten einen Schwerpunkt. Umweltverträglichere Lösungen müssen nach Einschätzung der Teilnehmer zugleich technisch zuverlässig, industriell skalierbar und wirtschaftlich umsetzbar sein. Dafür sei ein Ansatz erforderlich, der Materialien, Technologien, Prozesse und Kompetenzen entlang der gesamten Lieferkette einbezieht. Nachhaltigkeit könne daher nicht von einer einzelnen Stufe der Wertschöpfungskette umgesetzt werden, sondern erfordere die Zusammenarbeit von Technologieherstellern, Materiallieferanten, Verarbeitern und Anwendern.

Neben ökologischen Zielen wurden mögliche Auswirkungen auf Effizienz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit diskutiert. Voraussetzung sei, dass entsprechende Maßnahmen unter industriellen Bedingungen einen messbaren Nutzen erzeugen.

Geopolitik beeinflusst Lieferketten

Der Geopolitik-Analyst Alessandro Aresu ordnete die technologischen Entwicklungen in einen internationalen Zusammenhang ein. Asien sei heute das weltweit bedeutendste Zentrum industrieller Produktion, während die USA weiterhin über eine hohe Fähigkeit verfügten, Kapital anzuziehen und digitale Technologien zu entwickeln.

Internationale Spannungen hätten zugleich die Abhängigkeit globaler Wertschöpfungsketten von Energie, Rohstoffen und politischen Entwicklungen verdeutlicht. Neben technologischen Fähigkeiten werde deshalb die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Die USA und China führen laut dem Beitrag die Ranglisten bei Patenten für künstliche Intelligenz an. China verfüge außerdem über eine wachsende Zahl junger Menschen in mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Ausbildungsbereichen. Europäische Unternehmen müssten diese Entwicklungen stärker in langfristige strategische Entscheidungen einbeziehen.

Verpackungen barriereärmer gestalten

Ein weiterer Themenbereich befasste sich mit inklusivem Verpackungsdesign. Lesbarkeit, Ergonomie, Farben, Schriftarten, Formen und eine einfache Handhabung wurden dabei nicht nur als gestalterische Merkmale, sondern als Voraussetzungen für einen besseren Zugang zu Produkten und Informationen betrachtet.

Kreativagenturen, Druckereien und Converting-Unternehmen könnten deshalb bereits bei der Entwicklung nutzerorientierter Verpackungskonzepte mitwirken und nicht erst bei deren technischer Umsetzung.

Print4All findet 2027 in Mailand statt

Einzelgespräche, Workshops und Netzwerkformate sollten während der Konferenz den Austausch zwischen Maschinenherstellern, Materiallieferanten, Verarbeitern und Anwendern fördern. Die behandelten Themen sollen auf der Print4All weitergeführt und vertieft werden.

Die nächste Print4All findet vom 25. bis 28. Mai 2027 auf dem Gelände der Fiera Milano statt.