Das aktuelle Interview

„Wir wollen die Branche attraktiver für junge Menschen machen“

Manuel Heidbrink, Vorsitzender des VskE: „Wir stehen wieder einmal vor einem großen Wandel, was unsere Produkte und Absatzmärkte betrifft.“
Manuel Heidbrink, Vorsitzender des VskE: „Wir stehen wieder einmal vor einem großen Wandel, was unsere Produkte und Absatzmärkte betrifft.“ (Quelle: Michael Scherhag)

Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist Manuel Heidbrink, Geschäftsführer der im westfälischen Spenge ansässigen Etikettendruckerei orgakett, Vorsitzender des VskE. Ein Anlass, mit ihm nach einer angemessenen Eingewöhnungszeit in das neue Amt zu sprechen und seine Pläne für die Zukunft des Verbandes zu erfahren.

Manuel Heidbrink, geboren 1973 im ostwestfälischen Herford, ist verheiratet und Vater zweier volljähriger Kinder. Er ist seit 2006 Geschäftsführender Gesellschafter der orgakett GmbH mit Sitz in Spenge. orgakett wurde 1982 von seinem Vater gegründet und beschäftigt zurzeit 22 Mitarbeiter. Das Unternehmen fertigt Haftetiketten, Tags, Typenschilder und Sonderlösungen vornehmlich für Kunden aus den Bereichen Maschinenbau, Medizintechnik, Elektrotechnik und Chemie.

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Seit wann sind Sie im VskE, und was war der Anlass für die Mitgliedschaft?

Manuel Heidbrink: Die erste Tagung, an der ich teilgenommen habe, war 1998 in Wuppertal. Zu diesem Zeitpunkt war orgakett jedoch schon einige Jahre Mitglied im VskE. Der Netzwerkgedanke und auch der Austausch über technische Themen waren meinem Vater schon damals sehr wichtig.

„Wer sich auf ein faires und natürlich gesetzeskonformes Miteinander einlässt, wird als Mitglied enormen Nutzen aus den vielfältigen Kontakten und den zahlreichen Fachbeiträgen, Arbeitskreisen und Publikationen ziehen.“

Wann kamen Sie in den Vorstand, und was waren Ihre wichtigsten Erlebnisse dort?

Manuel Heidbrink: Ich bin 2013 auf der gemeinsamen Tagung von FINAT und VskE als einer der beiden Beisitzer in den Vorstand gewählt worden. Ich wurde gut aufgenommen, so dass ich mich dort und auch im Arbeitsausschuss des Verbands sofort wohl fühlte. Es war in beiden Gremien sehr spannend, Einblick in die Verbandsarbeit zu bekommen und diese auch sofort aktiv mitgestalten zu dürfen.

Der alte und der neue Vorsitzende des VskE: (l.) Manuel Heidbrink, Geschäftsführender Gesellschafter, orgakett GmbH und Robert Mägerlein, Geschäftsführer MC Line,
Der alte und der neue Vorsitzende des VskE: (l.) Manuel Heidbrink, Geschäftsführender Gesellschafter, orgakett GmbH und Robert Mägerlein, Geschäftsführer MC Line, Marburg (Quelle: Michael Scherhag)

Wie kam es zur Wahl zum Vorsitzenden?

Manuel Heidbrink: Da unser langjähriger erster Vorsitzender Robert Mägerlein satzungsbedingt nicht mehr für diesen Posten zur Verfügung stand, haben wir im Vorstand gemeinsam nach Alternativen gesucht. Ein Anliegen war hierbei, Kontinuität in der Vorstandsarbeit gewährleisten zu können. Da meine Kollegin Anke Hoefer als zweite Vorsitzende schon seit Jahren mit den Vorbereitungen und Planungen der zwei Verbandstagungen beschäftigt und gut ausgelastet ist, kam mein Name als jemand mit Vorstandserfahrung ins Spiel.

Welche Erfahrungen konnten Sie in den ersten Monaten machen?

Manuel Heidbrink: Menschlich war es die nahtlose Fortsetzung der guten Arbeit mit den bekannten Kollegen aus dem Vorstand und der Geschäftsstelle. Im Prinzip haben Robert Mägerlein und ich quasi rochiert. Neu hinzugekommen ist Alexander Schlegel als weiterer Beisitzer. Inhaltlich und organisatorisch sind Aufgaben in der Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle hinzugekommen. Es gibt einige vorbereitende Formalien und wiederkehrende Pflichten, die nun zum – zugegeben kleineren – Teil meiner Aufgaben gehören.

Ergeben sich dadurch neue Ideen für den Vorstand?

Manuel Heidbrink: Im Prinzip gibt es große Parallelen zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit. Es gibt das Tagesgeschäft, das fast ausschließlich in der Verantwortung der Geschäftsstelle liegt und dort, nebenbei bemerkt, auch sehr gut aufgehoben ist. Es gibt aber auch Projektarbeit, zum Beispiel die Vorbereitung der Tagungen, die ein immenses Planungspensum von allen maßgeblich beteiligten Personen abverlangt. Die personellen Ressourcen sind begrenzt, und viel Arbeit wird aus eher ideellem Antrieb geleistet. Aus diesem Grund sehe ich es als wichtige Aufgabe an, diese Dinge nach Möglichkeit zu vereinfachen und in neue Formen zu gießen.

„Ich möchte helfen, die Wahrnehmung von Etiketten bei unseren Kunden, aber auch in den Bildungseinrichtungen und bei den Arbeitskollegen von morgen zu verbessern.“

Was wollen Sie verändern oder neu einbringen?

Manuel Heidbrink: Es gibt viele Projekte, Arbeitsgruppen und Kreise, die mir persönlich am Herzen liegen. Ich stelle häufig mit großem Bedauern fest, dass die Arbeit unserer Branche (Zulieferer wie Converter) nicht immer auf die Anerkennung stößt, die unsere tollen Produkte in meinen Augen verdient haben. Wir haben eine gewaltige Materialvielfalt und produzieren auf Anlagen mit ausgefeilten Druck- und Veredelungstechnologien sowie mit unterschiedlichen Farbsystemen und Stanzen mit einer Genauigkeit im µm-Bereich kleine grafische Kunstwerke. Wir erfüllen Ansprüche, die mit allen anderen Branchen mindestens mithalten können. Ich möchte helfen, die Wahrnehmung von Etiketten bei unseren Kunden, aber auch in den Bildungseinrichtungen und bei den Arbeitskollegen von morgen zu verbessern. In vielen Gesprächen mit Mitgliedern ist als Grundtenor eine doch recht große Zufriedenheit mit dem Verband herauszuhören. Natürlich gibt es auch Kritikpunkte, die sich aber eher auf spezielle Dinge beziehen, jedoch nicht auf das große Ganze. Daher sehe ich keinerlei Grund, die Arbeit der Vergangenheit in Frage zu stellen. Ich bin aber wie der gesamte Vorstand jederzeit offen für Anregungen und Fragen. Die Idee des Verbandes ist ja schließlich ein Miteinander.

Das Duo an der Spitze des VskE: Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer (l.) und Vorsitzender Manuel Heidbrink
Das Duo an der Spitze des VskE: Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer (l.) und Vorsitzender Manuel Heidbrink (Quelle: Michael Scherhag)

Wie stehen Sie zu den Arbeitsgruppen und deren Tätigkeit?

Manuel Heidbrink: Die Arbeitskreise, egal ob aktiv oder ruhend, sind neben unseren Tagungen die besten Instrumente für Bildungserwerb, Austausch und sogar Forschung. Wenn ich von Anerkennung von Etiketten spreche, gelingt dies nur, wenn wir uns zum Beispiel als Teil der Lösung des Abfallproblems etablieren können und nicht als die Verursacher. Wir diskutieren und entwickeln Lösungen in Kreisen und Gruppen wie der AG Nachhaltigkeit oder dem AK Recycling. Wir geben fundierte Anleitungen für den Einsatz von Druckfarben im Zuge der Compliance. Wir wollen die Branche attraktiver für junge Menschen machen, indem wir Sie direkt ansprechen, oder die Chancen der Digitalisierung aufzeigen. Und wir versuchen den Kontakt zu unseren Kunden auch auf technischer Ebene zu verbessern, indem wir Materialien, Leistungen und Anforderungen systematisch spezifizieren. Dies alles geschieht ehrenamtlich und zum Nutzen aller Mitglieder – und idealerweise (zeitlich verzögert) auch der ganzen Branche.

„Die wirtschaftlichen Bedingungen werden für die meisten Branchen in naher Zukunft nicht einfacher.“

Welches ist die aus Ihrer Sicht wichtigste Botschaft für die VskE-Mitglieder?

Manuel Heidbrink: Wir stehen wieder einmal vor einem großen Wandel, was unsere Produkte und Absatzmärkte betrifft. Die wirtschaftlichen Bedingungen werden für die meisten Branchen in naher Zukunft nicht einfacher. Die Nachfrage in Sachen Nachhaltigkeit wird uns zwingen, neue Lösungen zu entwickeln. Für unsere Mitglieder – und solche, die es werden wollen – bietet der VskE in dieser Situation eine einzigartige Plattform. Wo sonst treffen Zulieferindustrie und Kunden, Marktbegleiter und Partner in einer derart positiven und kreativen Atmosphäre zusammen. Wer sich auf ein faires und natürlich gesetzeskonformes Miteinander einlässt, wird als Mitglied enormen Nutzen aus den vielfältigen Kontakten und den zahlreichen Fachbeiträgen, Arbeitskreisen und Publikationen ziehen. Ich selber hatte mir in der Vergangenheit bei einigen Mitgliedern (Wettbewerb und Zulieferfirmen) über Jahre hinweg ein „gut gepflegtes Feindbild“ aufgebaut, das bei nur einem Abendessen am gemeinsamen Tisch komplett zerstört wurde. In meinen Augen ist das auch gut so, weil viele Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam zu bewältigen sind. Bei so großen Fragen wie der Nachhaltigkeit (mit allen drei Säulen, d.h. ökologisch, ökonomisch und sozial!) können Antworten nur in einem starken Verbund derer gefunden werden, die über den Tellerrand hinausblicken wollen. Ich denke, genau diese Umgebung kann der VskE allen Mitgliedern bieten. Es liegt an uns, die Chancen zu ergreifen. [11146]

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