Open House bei Labelisten

Zwei Tage, zwei Standorte, eine klare Botschaft

Anhand zahlreicher Muster wurde die im Digitaldruck erzielte Qualität deutlich (Quelle: Deutscher Drucker)
Anhand zahlreicher Muster wurde die im Digitaldruck erzielte Qualität deutlich (Quelle: Deutscher Drucker)

Bei einem HP Open House öffnete der Etikettendrucker Labelisten im Fichtelgebirge seine Produktion für 135 Fachbesucher aus zehn Nationen. Im Mittelpunkt des Interesses standen die neue HP Indigo V12 in Pfaffenreuth und der ebenfalls neue zweite Produktionsstandort im benachbarten Thiersheim.

Bernhard Niemela

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An den beiden Tagen gab es für die Fachleute aus Etikettendruckereien, Verarbeitungsunternehmen und von Markenartiklern aus ganz Europa eine Menge zu sehen: die Labelisten GmbH mit Hauptsitz in Pfaffenreuth öffnete nicht nur ihre Produktionsstätten, sondern informierte auch ausgiebig über die Strategie des Unternehmens. Ausrichter des Events war HP, das gemeinsam mit dem Unternehmen ein zweitägiges Open House organisiert hatte.

Das Programm war an beiden Tagen dicht gedrängt: neben mehreren Keynotes gab es Produktionsführungen in verschiedenen Gruppen und die Möglichkeit zum Austausch zwischen den Besuchern. Die Referenten kamen aus unterschiedlichen Bereichen der Branche. Neben Firmengründer Frank Plechschmidt sprachen unter anderem Yael Barak, Peter Overbeek, Rien Zetzema und Harry Baker auf Seiten von HP sowie Roger Gehrke (All4Labels Global Packaging Group) und Patrik Jenemark (Nordvalls). Die Vorträge hatten einen klaren Praxisbezug: es ging vor allem um Produktionseffizienz, Kapazitätsplanung und die Marktentwicklung im Etikettensegment.

Neue V12 in Pfaffenreuth: Kapazitätsausbau ohne Systemwechsel

In Pfaffenreuth produziert seit April 2026 eine HP Indigo V12, die dritte Maschine dieses Typs in Deutschland. Die Investitionsentscheidung fiel nicht aus einem Ersatzbedarf heraus, das betonte Plechschmidt in seiner Keynote ausdrücklich. Die vorhandene Maschinenlandschaft bleibt vollständig in Betrieb. Die V12 erweitert die Kapazitäten gezielt dort, wo die bestehenden Maschinen an ihre Grenzen stoßen: bei großen Auflagen mit kurzen Durchlaufzeiten.

Die Maschine arbeitet mit zwölf Farbstationen und erreicht eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 120 Laufmetern pro Minute. Damit ist sie deutlich schneller als die bislang eingesetzten Systeme im Betrieb. Für konstante Bahnspannung und einen unterbrechungsfreien Betrieb bei voller Geschwindigkeit wurde ein Unwinder- und Rewinder-System des britischen Herstellers ABG integriert. Dieses reduziert Anfahrverluste und erlaubt eine Nonstop-Produktion, ohne dass die Bahn manuell umgerüstet werden muss.

Die hohe Auflösung und die konstante Registerhaltigkeit der V12 ermöglichen nach Unternehmensangaben eine stabile Druckqualität auch bei komplexen Layouts und langen Wiederholungsserien. Da der gesamte Auftragsprozess digital abgewickelt wird, können Bestellungen schnell in die Produktion überführt werden. Für Kunden, die regelmäßig größere Mengen gleicher Etiketten beziehen, ergibt sich daraus nach Angaben des Unternehmens eine zuverlässigere Kapazitätsplanung und eine schnellere Lieferfähigkeit.

Die bestehenden Maschinen übernehmen weiterhin die Aufträge im kleineren Mengenbereich. Labelisten sieht in dieser Kombination einen Vorteil gegenüber Betrieben, die sich auf eine Auflagenklasse festgelegt haben: Das Spektrum reicht künftig vom Kleinstauftrag bis zur Großserie, wobei die Prozesskette durchgehend digital gehalten ist.

Thiersheim: Zweiter Standort für Flexible Packaging

Ein weiterer Programmpunkt führte nach Thiersheim, eine Gemeinde wenige Kilometer von Pfaffenreuth entfernt. Dort hat Labelisten einen bestehenden Industriebau vollständig umgebaut und in einen Produktionsstandort für flexible Verpackungen umgewandelt. Das Gebäude war zuvor eine Metallhalle ohne Zulassung für Lebensmittelproduktion. Es wurde vollständig entkernt, neu gedämmt, mit moderner Elektroinstallation, IT-Infrastruktur und mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ausgestattet. Auf einen Neubau hat die Firma bewusst verzichtet.

Der Thiersheimer Standort ist auf Stand-up-Pouches ausgerichtet, also auf Standbodenbeutel für den Lebensmittel- und Konsumgüterbereich. Das Herzstück der Produktion ist eine HP Indigo 200K, eine Digitaldruckmaschine, die HP zufolge speziell für flexible Verpackungen entwickelt wurde. Die Maschine druckt bei einer Bahnbreite von 760 Millimetern mit bis zu 56 Metern pro Minute. Neben der Druckgeschwindigkeit wird die hohe Auflösung als zentrales Merkmal genannt, die eine präzise Farbwiedergabe und scharfe Kontraste auch bei kleinen Schriften und feinen Designelementen ermöglicht.

Weil auch hier die gesamte Prozesskette digital abgebildet ist, gibt es keine Mindestmengen. Kunden können Pouches in beliebigen Auflagengrößen bestellen, Nachbestellungen werden direkt aus dem System abgewickelt. Das ist im Flexible-Packaging- Bereich noch keine Selbstverständlichkeit: Viele Anbieter setzen weiterhin Mindestmengen von mehreren Tausend Einheiten voraus. Labelisten positioniert sich mit diesem Angebot ausdrücklich auch für kleinere Marken und für Kunden, die ihre Verpackungen häufig anpassen.

Am Standort Thiersheim sind nach Unternehmensangaben rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Unternehmensweit zählt Labelisten derzeit etwa 85 Beschäftigte. Die Kundenstruktur ist breit gestreut: Im Portfolio befinden sich Nahrungsergänzungsmittelhersteller, Kaffeeröstereien, Automobilzulieferer und Unternehmen aus dem Lizenzgeschäft, darunter auch Merchandising-Projekte für internationale Musikkünstler.