Jede Druckmaschine wird ein Inspektionssystem haben

Dr. Ansgar Kaupp, EyeC
Dr. Ansgar Kaupp, EyeC-Mitgründer und Geschäftsführer (Quelle: EyeC)

Die EyeC GmbH entwickelt Inspektionssysteme für alle Bereiche entlang der Druckprozesskette. Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 ist sie zu einem global agierenden Mittelständler mit über 60 Beschäftigten in Deutschland gereift. Ein Gespräch mit Dr. Ansgar Kaupp, einem der drei EyeC-Gründer und -Geschäftsführer.

EyeC ist Anbieter von Inspektionssystemen zur Sicherstellung der Druckqualität während des gesamten Herstellprozesses. Seit der Gründung im Jahr 2002 ist das Unternehmen von drei auf aktuell über 60 Mitarbeiter gewachsen. EyeC hat Vertriebs- und Servicepartner in über 20 Ländern, mit deren Hilfe bisher 1800 Inspektionssysteme in 51 Ländern installiert werden konnten. Der Umsatz erreicht rund 8 Mio. Euro, wovon man 20,5 Prozent in die Forschung und Entwicklung investiert.

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Worauf führen Sie es zurück, dass sich EyeC so schnell etablieren konnte?

Dr. Ansgar Kaupp: Als wir EyeC 2002 gründeten, brachten wir Bildverarbeitungs-Knowhow aus der Inspektion von CDs und DVDs mit. Um es auf die Qualitätsüberwachung in Druckprozessen zu übertragen, haben wir aktiv nach Pilotkunden gesucht und gleich für die Entwicklung unseres ersten Systems einen bis heute sehr wichtigen Kunden und Entwicklungspartner gewinnen können. Neben der Orientierung an Kundenbedürfnissen war auch Glück im Spiel. Wir sind sofort in die Prüfung von Etiketten eingestiegen, die wir für einfach hielten. Heute wissen wir, dass wir es gleich mit dem aus Inspektionssicht schwierigsten aller Druckverfahren zu tun hatten: dem Flexodruck. Denn wegen der hier eingesetzten flexiblen Klischees variiert die Präzision im Druckbild am stärksten.

„Heute wissen wir, dass wir es gleich mit dem aus Inspektionssicht schwierigsten aller Druckverfahren zu tun hatten: dem Flexodruck.“

Wir waren gezwungen, unsere Mustererkennungs-Algorithmik so auslegen, dass sie tolerierte, prozessbedingte Schwankungen von Druckfehlern unterscheiden kann. Genau darauf kommt es in der Inspektion von Druckerzeugnissen an. Dank Quetschrändern, Verzerrungen und der Vielfalt an Sonderfarben und Materialien im Flexodruck haben wir unsere Bildverarbeitungssoftware an die volle Komplexität im Druckmarkt angepasst.

Blick auf das EyeC-ProofRunner-System in der Produktion
Quelle: EyeC
(Bild: Copyright Edu Van Gelder)

Welches sind die wichtigsten Zielmärkte für Ihre Inspektionssysteme?

Dr. Ansgar Kaupp: Wichtig ist der Bereich Pharma-Verpackungen. Inspektion ist hier wegen des hohen Sicherheitsbewusstseins eine Selbstverständlichkeit; zumal schon ein Rückruf teurer ist, als unsere Systeme. Auch viele Markeninhaber nutzen EyeC-Inspektionstechnik. Steigende Sicherheitsanforderungen an Lebensmittelverpackungen sorgen für Nachfrage. Fehlerfreie Verpackungen werden zum Muss, etwa um Allergene richtig auszuweisen.

Wie verändert die fortschreitende Digitalisierung Ihre Zielmärkte?

Dr. Ansgar Kaupp: Wir sind ein durch und durch digitales Unternehmen, das sich als Treiber der Digitalisierung versteht. Die Druckindustrie druckt immer öfter digital. Und sie digitalisiert ihre Prozessketten, um trotz immer kleinerer Losgrößen effizient zu produzieren. Ganz gleich, ob mit digitalen oder konventionellen Druckverfahren: Es wird nur so viel produziert, wie sich zeitnah absetzen lässt. Gerade bei kleinen Jobs kommt es auf effiziente Qualitätssicherung an. Die Druckvorlagenprüfung ist mit EyeC-Systemen in weniger als zwei Minuten statt einer Dreiviertelstunde erledigt. Dank automatisierter Anbindung an die Druckmaschine kostet auch die Einrichtung des Inspektionsgeräts keine Zeit mehr. Qualitätsüberwachung ist mit EyeC-Systemen entlang der gesamten Prozesskette samt Post-Prozessen möglich. Sie minimiert Anlaufmakulatur und Fehldrucke, sorgt für effiziente Produktion bedarfsgerechter Chargen – und optimiert so den ökologischen und ökonomischen Footprint.

Inwieweit ist die Prüfung von Artwork und Druckvorstufe automatisiert?

Dr. Ansgar Kaupp: Teils führen unsere Systeme Bediener durch die Prüfung. Teils sind sie vollautomatisiert und lassen sich bei Bedarf in die Workflowsysteme der großen Druckmaschinenbauer einbinden. Beides hat eine Daseinsberechtigung. Gerade für die Standardisierung im Bereich der PDF-Druckvorlagen kann die geführte Prüfung sinnvoll sein, um eingangs die Varianz in den Eingangsdateien zu ermitteln. Auf dieser Basis lassen sich Standards dann sinnvoll entwickeln.

EyeC-Systeme prüfen auch Brailleschrift. Ist damit auch die Inspektion von Schmuckprägungen auf Verpackungen machbar?

Dr. Ansgar Kaupp: Das ist in der Tat eine Herausforderung. Wir haben mithilfe angepasster Beleuchtung und weiterer Kniffe Voraussetzungen geschaffen, um die Präsenz und exakte Platzierung solcher Schmuckprägungen zu prüfen. Hier besteht eine Schwierigkeit darin, dass die Prägung häufig als separater Prozess erfolgt – und Präge- und Druckpasser nicht hundertprozentig übereinstimmen. Kunden wollen aber minimale Beschädigungen der Schmuckprägungen finden. Die Problematik konnten wir gemeinsam mit Kunden lösen. Wir verfolgen das Ziel, dass unsere optische Prüfung in einem Schritt alle Fragen des Kunden beantwortet. Wenn er beispielsweise eine Saftverpackung bedruckt, dann prüfen unsere Systeme zum einen, ob der Druck in Ordnung ist. Aber sie prüfen ebenso, ob der aufgedruckte Barcode lesbar ist und ob die Falzkanten symmetrisch sind, weil andernfalls von einer Beschädigung der mehrlagigen Materialstruktur auszugehen ist. Es geht also um eine Art vorgelagerte Prozessfreigabe…

„Wir verfolgen das Ziel, dass unsere optische Prüfung in einem Schritt alle Fragen des Kunden beantwortet.“

…in Form einer Offline-Qualitätskontrolle. Wird diese auf Dauer von Inline-Systemen verdrängt werden?

Dr. Ansgar Kaupp: Es gibt Kunden, die im Vorfeld prüfen, ob sie alle Vorkehrungen für einen fehlerfreien Druckprozess getroffen haben. Das genügt ihnen und ihren Kunden. Andere Kunden benötigen dagegen eine lückenlose Qualitätsüberwachung samt Dokumentation ihrer Produktionsprozesse. Inline-Prüfung ist dann unverzichtbar. Teils sind auch Nachweise der Datenintegrität und Systemvalidierungen gefragt. Auch solche Services bieten wir aus einer Hand.

Was sind die zentralen Komponenten Ihrer Inspektionssysteme?

Dr. Ansgar Kaupp: Zunächst einmal die Software, die den Großteil unserer Wertschöpfung ausmacht. Doch wir legen Wert darauf, unseren Kunden Gesamtsysteme aus Hard- und Software anbieten zu können. Wir stimmen Zeilenkameras, Optiken und Beleuchtung optimal aufeinander und auf den zu überwachenden Prozess ab. Gerade in Hochgeschwindigkeitsprozessen sind starke Lichtquellen gefragt, damit die Kamera in Sekundenbruchteilen wirklich alle Bildpunkte erfassen kann. Hinzu kommt natürlich ein leistungsfähiger Rechner, wobei sich hier von einer Generation zur anderen die Anzahl der Prozessorkerne und die Methodik ihrer Parallelisierung oder die Schnelligkeit der Zugriffe auf zwischengespeicherte Daten verändern können. Daran passen wir unsere Software jeweils an. Wir bieten gemeinsam mit Maschinenbauern auch modulare Retrofit-Lösungen, mit denen Druckereien bestehende Anlagen um Inline-Inspektionstechnik erweitern können. So können sie entsprechende Aufträge annehmen oder wechselnde Produktionslinien für solche Aufträge ertüchtigen.

ProofRunner im Test
Das ProofRunner-System im Testeinsatz mit transparenten Materialien (Quelle: EyeC)

Inline-Inspektion gilt als zentraler Baustein für Print-4.0-Prozesse…

Dr. Ansgar Kaupp: …und ich denke, dass wir hier als Branche auf einem guten Weg sind. Wenn wir die Fähigkeit zum Informationsaustausch im Prozess weiterentwickeln, dann ist es durchaus erreichbar, dass sich Druckmaschinen beim Auftreten von Fehlern selber nachregulieren. Über verbindliche Standards können wir Kunden die freie Wahl seiner Anlagenkomponenten ermöglichen, um zur Flexibilisierung von Prozessketten beizutragen und zu ehrlichem Wettbewerb der Lösungen zu kommen. Und es eröffnen sich Möglichkeiten in der Predictive Maintenance, wo Prozessdaten in die Cloud geladen und intelligent ausgewertet werden. Das gilt sowohl für unsere eigenen Systeme, als auch für alle anderen Komponenten in der Prozesskette. Unsere Systeme haben das Auge im Prozess – und darüber sind jede Menge Rückschlüsse auf den Maschinenzustand möglich. Wir sind mit Pilotkunden aus dem Maschinenbau dabei, diese Potentiale zu heben. Hierfür sind übrigens die Networking-Möglichkeiten im VDMA sehr hilfreich.

Werden Inline-Systeme die Offlineprüfung in der Print-4.0-Welt verdrängen?

Dr. Ansgar Kaupp: Es wird immer Situationen geben, in denen nur eine Charge zu prüfen ist. Dafür und für sehr hohe Messgenauigkeiten sind Offlinesysteme nötig. Aber natürlich wird die Inline-Inspektion in dem Maß attraktiver, in dem ihre Kosten sinken und ihre Leistungsfähigkeit steigt. Eine Verschiebung der Gewichte ist also wahrscheinlich. Ich gehe davon aus, dass 2030 alle Druckmaschinen über ein integriertes Prüfsystem verfügen werden. In vielen Bereichen wird es dann eine Nullfehlerproduktion geben.

EyeC ist auf Druckinspektion fokussiert. Bietet Print Wachstumschancen?

Dr. Ansgar Kaupp: Wachstumspotential im Printmarkt? – Auf jeden Fall! Zwar verliert Print in seiner Funktion als Informationskanal an Relevanz. Doch die Präsentation von Produkten über die Verpackung ist und bleibt ein wachsender Markt. Hier sind wir mit unseren Inspektionssystemen aktiv und kommen der Nachfrage kaum nach. Um zusätzlich die vielen Applikationen realisieren zu können, die sich noch im Ideenstadium befinden, werden wir auch personell weiterwachsen.

Abschlussfrage: Wie stellen Sie sich EyeC im Jahr 2030 vor?

Dr. Ansgar Kaupp: Wie gesagt erwarte ich, dass jede Druckmaschine ein Inspektionssystem haben wird. Wir werden mit Druckmaschinenbauern gemeinsam daran arbeiten. Wenn wir unsere Wachstumsstrategie umsetzen, dann werden wir 2030 sowohl beim Umsatz als auch beim Personal um den Faktor fünf größer sein als heute. Wir werden auch in Zukunft global agieren und unser Portfolio weiter entlang des Druckprozesses ausweiten. [7740]

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