Interview „Frauen in der Etikettenbranche“ (7)

Schon als Teenager geholfen, Kataloge zu verteilen

Verena Klingbeil, Geschäftsführung, Klingbeil GmbH: „Frauen sind immer dem Spagat zwischen Familie und Karriere ausgesetzt.“ (Quelle: Klingbeil)
Verena Klingbeil, Geschäftsführung, Klingbeil GmbH: „Frauen sind immer dem Spagat zwischen Familie und Karriere ausgesetzt.“ (Quelle: Klingbeil)

„Ich habe freien Gestaltungsspielraum und kann alle meine Visionen, Ideen und Strategien ohne Einschränkungen einbringen und vieles davon unmittelbar realisieren.“ meint Verena Klingbeil, Geschäftsführung, Klingbeil GmbH, Ilsfeld, im Interview mit Etiketten-Labels. Sie spricht damit über den Vorteil Unternehmerin zu sein und beschreibt ihre Situation als Frau in der Etikettenbranche.

Bitte beschreiben Sie kurz Ihr Unternehmen und Ihre Position.

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Verena Klingbeil: Die Firma Klingbeil ist seit über 40 Jahren ein erfolgreiches mittelständiges Handels- und Produktionsunternehmen in den Bereichen Klebetechnik und Produktkennzeichnung. Etiketten, selbstklebende Formstanzteile, Klebebänder und Klebstoffe sind die Schwerpunkte unseres Produktportfolios. Ein wesentlicher Teil unseres Leistungsspektrums ist der Schneideservice von Kennzeichnungsfolien und Klebebändern für weiterverarbeitende Betriebe. Hier haben wir den Status „3M Preferred Converter“ inne. Ich bin seit 2016 alleinige Geschäftsführerin und leite das Unternehmen mit seinen derzeit 35 Mitarbeitern in zweiter Generation.

Wie kamen Sie zu der Position (Karriereleiter, Familienbetrieb, Übernahme o.ä.)?

Verena Klingbeil: Mein Vater hat die Klingbeil GmbH im Jahr 1978 gegründet. Seit meiner Kindheit hatte ich dadurch immer Berührungspunkte mit der Firma, da auch meine Mutter in der Firma mitarbeitete. Ich habe zum Beispiel als Teenager geholfen, Kataloge zu verteilen oder Ferienjobs in der Konfektion übernommen. Als Folge davon hat die Welt der Klebetechnik und Kennzeichnung mich schon früh fasziniert und ich wusste, dass ich eines Tages in die Fußstapfen meines Vaters treten möchte. Nach einer fundierten kaufmännischen Ausbildung zur Bankkauffrau und der Weiterbildung zur Betriebswirtin habe ich dann mehrere Jahre praktische Erfahrung im Unternehmen gesammelt und wurde so Schritt für Schritt an Führungsaufgaben und die Leitung eines Unternehmens herangeführt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir einerseits große Freiräume für meine berufliche Findung eingeräumt haben und mich andererseits im Hinblick auf meinen Werdegang im eigenen Unternehmen immer grenzenlos unterstützt haben. Ich freue mich, ihr Lebenswerk weiterführen zu dürfen.

„Auch ohne Quote haben wir bereits viele starke Frauen in Führungspositionen.“

Haben Sie eine Ausbildung in der Druckbranche gemacht oder sind Sie „Seiteneinsteigerin“?

Verena Klingbeil: Wie bereits erwähnt, komme ich aus dem Finanzsektor und habe mir einen umfassenden betriebswirtschaftlichen Hintergrund erarbeitet. Mir war es sehr wichtig, auch außerhalb des Familienbetriebs berufliche Erfahrungen zu sammeln. Mit den Kenntnissen und Erfahrungen, die ich in meiner Aus- und Weiterbildungszeit erworben habe, bin ich dann schließlich in den Betrieb meines Vaters zurückgekehrt.

Verena Klingbeil: „Mir war es sehr wichtig, auch außerhalb des Familienbetriebs berufliche Erfahrungen zu sammeln.“ (Quelle: Klingbeil)
Verena Klingbeil: „Mir war es sehr wichtig, auch außerhalb des Familienbetriebs berufliche Erfahrungen zu sammeln.“ (Quelle: Klingbeil)

Thema Quote: Wie stehen Sie zu diesem Thema? Und welche Bedeutung hat die Quote in Ihrem Umfeld?

Verena Klingbeil: Auch ohne Quote haben wir bereits viele starke Frauen in Führungspositionen. Für uns ist es wichtig, dass wir im Führungskräfte-Team eine gesunde Mischung aus Persönlichkeit, Erfahrung und Motivation zusammenbringen, da spielt das Geschlecht für uns keine Rolle. Ich wünsche mir sogar speziell in meinem Unternehmen mehr Männer, denn der Männeranteil in der Verwaltung ist ausgesprochen niedrig.

Haben Sie als Führungskraft/ Unternehmerin schon Erfahrung damit gemacht, dass Geschäftspartner oder Kunden nicht mit Frauen in Führungspositionen umgehen können.

Verena Klingbeil: Sobald der Geschäftspartner oder Kunde sich in seinen Belangen verstanden und sich abgeholt sieht, gibt es aus meiner Sicht und Erfahrung keine Hindernisse des Geschlechtes wegen.

Worin liegen für Sie die Vorteile der Führungsposition in Ihrem Unternehmen?

Verena Klingbeil: Ich habe freien Gestaltungsspielraum und kann alle meine Visionen, Ideen und Strategien ohne Einschränkungen einbringen und vieles davon unmittelbar realisieren. Ich kann neue Geschäftsfelder entwickeln und so die Branche und den Markt prägen. Zudem versuche ich, eine  Unternehmenskultur zu schaffen, in der Menschen gerne und erfolgreich zusammenarbeiten. Darüber hinaus kann ich zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung der Personen im Unternehmen beitragen und motivierte, engagierte Mitarbeiter fördern und schließlich mit allen Beteiligten gemeinsam Erfolge feiern.

Glauben Sie, dass die Vereinbarkeit von Familie und Karriere auch heute noch die Hauptschwierigkeit ist, Frauen in Führungspositionen zu sehen?

Verena Klingbeil: Frauen sind immer dem Spagat zwischen Familie und Karriere ausgesetzt. Nicht jeder hat das Glück, innerhalb der Familie ein stabiles Netzwerk zu haben, den Partner gleichberechtigt in Familie und Beruf integriert zu haben. Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung mit viel Anstrengung und teilweise auch innerlicher Zerrissenheit, die ich sowohl von mir selbst als auch aus meinem engen Freundeskreis her kenne. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Führungskräfte sind dieser Belastung ausgesetzt, deshalb setze ich in meinem Unternehmen auf flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office und intelligente Vertretungslösungen, um so bestmögliche Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen.

Hat Ihre Führungsposition aus Ihrer Sicht etwas an der Unternehmenskultur geändert?

Verena Klingbeil: Auf jeden Fall! Schon allein deshalb, weil es sich um eine andere Generation mit anderer Sozialisation handelte – 3 Jahrzehnte! Ist es ganz normal, dass sich das auf die Unternehmenskultur auswirkt; außerdem ist jeder Mensch unterschiedlich geprägt. Ich tätige und plane viele neue Investitionen in die Modernisierung des Unternehmens sowie des Maschinenparks. Auch die Marketingabteilung wurde inzwischen vergrößert, um unsere Außendarstellung und die Kommunikation auf allen Ebenen professionell zu gestalten. Außerdem gehört heutzutage mehr Verständnis und Flexibilität für die Mitarbeiter/innen dazu, die sich in bestimmten Phasen und Herausforderungen im Leben befinden. Vielfältige Maßnahmen im Hinblick auf Mitarbeiterbindung, -förderung und –motivation führen zu einer produktiven und angenehmen Arbeitsatmosphäre, welche wiederum eine wesentliche Basis für unternehmerischen Erfolg darstellen.

„Ich habe freien Gestaltungsspielraum und kann alle meine Visionen, Ideen und Strategien ohne Einschränkungen einbringen und vieles davon unmittelbar realisieren.“

Haben Sie in Ihrem Unternehmen ein spezielles Fortbildungsprogramm für Mitarbeiterinnen?

Verena Klingbeil: Wir fangen bereits in der Ausbildung damit an, weil für uns die Mitarbeiter, die wir selbst ausbilden und mit unseren Werten prägen besonders im Fokus sind und wir diese auch nach dem Ende der Ausbildung weiterentwickeln möchten. Darüber hinaus identifizieren wir die „High Potentials“ und Experten in unserem Unternehmen, die wir nach Ihren Stärken aus- und weiterbilden und fit für mehr Verantwortung machen. Wir lassen uns nicht von Geschlechterfragen ausbremsen – alle werden bei uns gefördert!

Erfahren Sie Unterstützung von Ihren Kolleginnen/Mitarbeiterinnen im eigenen Unternehmen?

Verena Klingbeil: Erfolge sind nur als Teamleistung möglich. Ich erlange Überzeugung durch mein Auftreten und meine Arbeitsweise sowie die erreichten Ergebnisse. Dadurch werden Erfolge für Mitarbeiter täglich erlebbar und sie partizipieren davon. Das führt zu einem sich verstärkenden Kreislauf, die Erfolge im Team steigen und damit auch die gegenseitige Unterstützung.

Welche Veränderungen/Verbesserungen wünschen Sie sich, um einen höheren Anteil von weiblichen Führungskräften zu erreichen?

Verena Klingbeil: Es wäre gut, wenn viele Unternehmen erkennen würden, dass auch weibliche Führungskräfte ihren „Mann“ stehen können. Wie oben beschrieben, spielt für uns das Geschlecht des Mitarbeiters keine Rolle, weil für uns andere Merkmale wie Persönlichkeit, Erfahrung und Motivation mehr zählen, das sollte doch überall so sein, oder?

Verena Klingbeil, Geschäftsführung, Klingbeil GmbH, Ilsfeld (Quelle: Klingbeil)
Verena Klingbeil, Geschäftsführung, Klingbeil GmbH, Ilsfeld (Quelle: Klingbeil)

Wo liegen Ihre Ziele für das Unternehmen in den nächsten Jahren und eventuell die Förderung von Mitarbeiterinnen.

Verena Klingbeil: Schwerpunkte sind zum einen Investitionen in neue Technologien zur Digitalisierung sowie Automatisierung und zum anderen der Ausbau unseres qualifizierten Mitarbeiterstamms. Ich möchte ferner die Mitarbeiterführung und Mitarbeiterentwicklung bei uns auf allen Ebenen dahingehend prägen, dass möglichst viele Mitarbeiter die Philosophie des Unternehmens umsetzen und somit als Leitmotiv ihres Handelns aufnehmen. Dem Thema Nachhaltigkeit werden wir auf diesem Weg zunehmend Bedeutung beimessen.

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